Schach und künstliche Intelligenz
Elon Musk hat sich auf X mit dem offiziellen Account von Chess.com eine ungewöhnlich scharfe Debatte darüber geliefert, ob Schach eines Tages vollständig gelöst werden kann. Der Unternehmer ist überzeugt: Künstliche Superintelligenz werde eines Tages auch dieses Problem bewältigen. Chess.com hält dagegen – und verweist auf die gewaltige Zahl möglicher Partien.
Die Diskussion begann, nachdem Musk geschrieben hatte, die tatsächliche Zahl der Schachzüge, die nicht „völlig dumm“ seien, sei klein – und Schach werde eines Tages vollständig gelöst sein.
Chess.com antwortete darauf knapp: „Skill issue.“ Sinngemäss: eine Frage des Könnens. „Schach ist für Menschen schwierig, nicht für Computer“ Musk liess die Antwort nicht auf sich sitzen und schrieb: „Schach ist für Menschen schwierig, aber nicht für Computer. Eines Tages wird es vollständig gelöst sein – so wie Dame.“ Bis dahin und auch danach könne man das Spiel weiterhin geniessen. Menschen hätten schliesslich auch Freude an zahlreichen Spielen und Sportarten, in denen Maschinen längst viel stärker seien. Chess.com konterte mit der enormen Komplexität des Spiels. Der Schachserver verwies darauf, dass die Zahl der möglichen Schachpartien ungefähr 40 Grössenordnungen über der geschätzten Zahl der Atome im beobachtbaren Universum liege. Die Botschaft an Musk: „Um Schach zu lösen, müsste man all diese Möglichkeiten abbilden. Viel Glück.“ Partien oder Stellungen? Musk erklärte daraufhin Chess.com für „falsch“. Er verwies jedoch auf eine andere Grösse: die Zahl aller legalen Schachstellungen. Diese sei seiner Darstellung zufolge rund 40 Grössenordnungen kleiner als die geschätzte Zahl der Atome im Universum. Zudem werde eine zukünftige künstliche Superintelligenz (ASI) Methoden zur Lösung und Datenkompression finden, die weit über das hinausgingen, was Menschen sich heute vorstellen könnten. Damit redeten beide Seiten teilweise über unterschiedliche Dinge: Chess.com bezog sich auf die Zahl möglicher Partieverläufe, Musk auf die Zahl legaler Positionen. Der Unterschied ist entscheidend, denn dieselbe Stellung kann über sehr viele verschiedene Zugfolgen erreicht werden.

Schach ist bislang jedenfalls nicht vollständig gelöst. Vollständig berechnet sind lediglich Endspiele mit bis zu sieben Steinen auf dem Brett: Für jede solche legale Stellung lässt sich mittels sogenannter Tablebases bestimmen, ob sie bei perfektem Spiel gewonnen, remis oder verloren ist.
„Ein zufälliger Praktikant“
Mit zunehmender Dauer wurde die Debatte persönlicher. Musk schrieb, er diskutiere nun schon mit einem „zufälligen Praktikanten einer Schachwebsite“.
Der Mensch hinter dem Chess.com-Account stellte daraufhin klar, dass er fest bei dem Unternehmen angestellt sei.

Chess.com erklärte sich am Ende augenzwinkernd selbst zum Sieger und legte mit einer weiteren Spitze nach: Eine Niederlage in einer Schachpartie könne frustrierend sein – aber eine Twitter-Debatte gegen einen vermeintlichen Praktikanten zu verlieren, müsse besonders ärgerlich sein. Musk hielt Schach schon früher für zu einfach Musk hat ein ambivalentes Verhältnis zum königlichen Spiel. Bereits früher erklärte er, dass er als Kind mit dem Schachspielen aufgehört habe, weil er den praktischen Nutzen des Spiels für das Verständnis der realen Welt als begrenzt empfunden habe. Seine Unternehmen beschäftigen sich dennoch intensiv mit künstlicher Intelligenz – und damit indirekt auch mit Schach.
Grok 4 verlor das KI-Finale gegen o3
Im August 2025 trat Musks KI-Modell Grok 4 von xAI beim Schachturnier der Kaggle Game Arena gegen andere grosse Sprachmodelle an. Grok erreichte das Finale, traf dort aber auf OpenAIs o3 – und verlor deutlich mit 0:4. Zuvor hatte Grok unter anderem Googles Gemini 2.5 Pro ausgeschaltet. Die Ironie der aktuellen Debatte liegt damit auf der Hand: Musk ist überzeugt, dass künstliche Superintelligenz Schach eines Tages vollständig lösen wird. Seine eigene KI hat jedoch bereits erlebt, dass zwischen Schach spielen, Schach beherrschen und Schach vollständig lösen noch ein erheblicher Unterschied besteht.