Vom 11. bis 13. September kommt es in Saint Louis zum Duell zwischen Garri Kasparow und Wesselin Topalow. Gespielt wird Fischer Random Chess nach dem Clutch-Chess-System: Am zweiten Tag zählen die Punkte doppelt, am dritten Tag sogar dreifach.

„Ich kehre immer wieder gerne nach Saint Louis zurück – hier fühle ich mich wie zu Hause“, sagte Kasparow. „Ich freue mich darauf, das fortzusetzen, was inzwischen zu einer Tradition geworden ist: einmal im Jahr im besten Schachklub der Welt zu spielen. Nach dem jüngsten Umbau setzt der Klub weltweit höchste Massstäbe für das Schach. Es ist eine grosse Ehre für mich, Teil des nächsten Kapitels seiner Geschichte zu sein. Das Duell mit Topalow macht meine Rückkehr noch spannender.“
Zum Nachspielen: Kasparows letzte Turnierpartie
Für die Leser von Schachinfo.ch präsentieren wir eine besonders interessante Partie aus Linares 2005. Es war die letzte Turnierpartie Garri Kasparows nach rund 30 Jahren einer aussergewöhnlichen und erfolgreichen Schachkarriere.
Wesselin Topalow (2757) – Garri Kasparow (2804)
XXII SuperGM, Linares (ESP), 14. Runde, 10.03.2005
Sizilianische Verteidigung [B30]
1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Sc3 e5 4.Lc4 d6 5.d3 Le7 6.0–0 Sf6 7.Sh4 Sd4 8.g3 Lg4 9.f3 Le6 10.Lg5 Sg8 11.Lxe7 Sxe7 12.f4 exf4 13.Lxe6 fxe6 14.Txf4 Kd7 15.Sf3 Tf8 16.Txf8 Dxf8 17.Sxd4 cxd4 18.Se2 Df6 19.c3 Tf8 20.Sxd4 Sc6

21.Df1
Kasparows folgenschwere Entscheidung
In dieser Stellung steht Schwarz bereits unter erheblichem Druck. Kasparow entschied sich nun für etwas, wovor Schachtrainer häufig warnen: Er ging freiwillig in ein Bauernendspiel.
Er spielte:21...Dxf1+?!
Bessere Remischancen bot stattdessen 21...Dd8!, beispielsweise nach:
21...Dd8 22.Sf3 Db6+
Schneller Niedergang im Bauernendspiel
Nach dem Damentausch folgte Kasparows überraschend schneller Niedergang in einem passiven Bauernendspiel:
22.Txf1 Txf1+ 23.Kxf1 Sxd4 24.cxd4 d5 25.Kf2 Ke7 26.Kf3 Kf6
Nun spielte Topalow: 27.h4?!
Dieser Zug war sicherlich schwächer als 27.Kg4!. Falls Schwarz anschliessend ...g6 spielt, verfügt Weiss mit h3 über einen wichtigen Gewinnplan.
Kasparow verpasst die Rettung
In der entstandenen Stellung hatte Schwarz offenbar noch die Möglichkeit: 27...h6! Dieser Zug hätte Schwarz gute Chancen gegeben, die Partie remis zu halten. Doch Kasparow machte es seinem Gegner leichter:
27...g6? 28.b4 b5 29.Kf4 h6 30.Kg4 1–0 Kasparow gab auf.
Das Ende einer grossen Karriere
Damit gewann Topalow nicht nur die letzte klassische Partie zwischen den beiden grossen Rivalen. Es war zugleich die letzte Turnierpartie Garri Kasparows als professioneller Schachspieler.
Wenig später gab Kasparow in Linares seinen Rückzug vom professionellen Turnierschach bekannt.
Elf Jahre später stehen sich Kasparow und Topalow nun in Saint Louis wieder am Brett gegenüber – diesmal im Fischer Random Chess.
Auch Topalow blickt mit Vorfreude auf das Wiedersehen:
„Unabhängig vom Format sind die Partien gegen Garri immer kämpferisch. Im vergangenen Jahr konnte er Viswanathan Anand besiegen, deshalb geht er offensichtlich mit viel Selbstvertrauen in das Match gegen mich. Ich freue mich auf ein grossartiges Duell“, sagte Wesselin Topalow.
Eine Rivalität mit Geschichte
Das Match bringt zwei Spieler zusammen, deren direkte Duelle einige der denkwürdigsten Momente der modernen Schachgeschichte hervorgebracht haben.
Unvergessen ist ihre Partie beim Turnier in Wijk aan Zee 1999. Kasparow gelang damals ein spektakulärer Sieg, der später als seine „Mona Lisa“ bezeichnet wurde und bis heute zu seinen berühmtesten Meisterwerken zählt.
Topalow gewann die letzte klassische Partie
Doch das letzte Wort im klassischen Schach hatte Topalow. Beim Turnier in Linares 2005 besiegte der Bulgare seinen grossen Rivalen.
Diese Partie besitzt zusätzliche historische Bedeutung: Sie war Kasparows letzte Turnierpartie vor seinem Rückzug vom professionellen Schach.
Nun treffen die beiden früheren Weltmeister erneut aufeinander.
Zwölf Partien in drei Tagen
Kasparow und Topalow werden in Saint Louis insgesamt zwölf Partien bestreiten – jeweils vier pro Tag.
Das Clutch-Chess-System verspricht dabei zusätzliche Spannung: Am zweiten Spieltag werden die Punkte verdoppelt, am dritten verdreifacht. Damit kann sich das Match selbst am letzten Tag noch entscheidend drehen.