Kramnik gegen New In Chess:
Welche Chancen hat Kramnik nach dem Urteil?
Nach seiner Niederlage vor dem Amsterdamer Gericht hat Wladimir Kramnik angekündigt, das Urteil anzufechten. Damit ist der Rechtsstreit mit New In Chess möglicherweise noch nicht beendet. Für Kramnik gibt es im niederländischen Recht grundsätzlich weitere Rechtsmittel – allerdings gelten im vorliegenden Eilverfahren kurze Fristen.

Vier Wochen für die Berufung
Das Urteil vom 1. September 2026 erging durch den voorzieningenrechter der Rechtbank Amsterdam in einem sogenannten kort geding, einem zivilrechtlichen Eilverfahren. Für solche Entscheidungen gilt eine Besonderheit: Während die Berufungsfrist in gewöhnlichen niederländischen Zivilverfahren grundsätzlich drei Monate beträgt, sieht Artikel 339 Absatz 2 der niederländischen Zivilprozessordnung (Wetboek van Burgerlijke Rechtsvordering) für Urteile im kort geding grundsätzlich eine Frist von vier Wochen ab dem Tag der Entscheidung vor. Kramnik muss eine Berufung daher grundsätzlich innerhalb dieser gesetzlichen Vier-Wochen-Frist einleiten. Auf die Nennung eines konkreten letzten Kalendertages sollte man allerdings verzichten, solange die für die Fristberechnung massgeblichen Verfahrensumstände nicht abschliessend geprüft sind.
Nächste Instanz: das Berufungsgericht
Der nächste reguläre Rechtsmittelweg führt zum zuständigen Gerechtshof, also zum niederländischen Berufungsgericht. Die Berufung in einer solchen Zivilsache muss durch einen Anwalt eingeleitet werden. Kramnik kann dort die erstinstanzliche Entscheidung angreifen und darlegen, in welchen Punkten das Urteil seiner Ansicht nach rechtlich oder tatsächlich fehlerhaft ist. Seine öffentliche Ankündigung, Berufung einzulegen, ist allerdings noch nicht mit einer tatsächlich eingereichten Berufung gleichzusetzen. Erst eine entsprechende gerichtliche oder anderweitig verlässliche Bestätigung sollte auf Schachinfo.ch als erfolgte Berufung vermeldet werden.
Danach bleibt noch der Hoge Raad
Sollte Kramnik auch in der Berufungsinstanz unterliegen, könnte grundsätzlich noch der Hoge Raad der Nederlanden, der Oberste Gerichtshof der Niederlande, angerufen werden.
Dabei handelt es sich um ein Kassationsverfahren. Der Hoge Raad führt grundsätzlich keine vollständige neue Tatsachenprüfung durch, sondern kontrolliert insbesondere, ob das Recht korrekt angewendet und die angefochtene Entscheidung ausreichend begründet wurde.
Für eine Kassation gilt in Zivilsachen grundsätzlich eine Frist von drei Monaten nach der Entscheidung des Berufungsgerichts. Ob im konkreten Fall Besonderheiten oder abweichende Fristregeln zu berücksichtigen wären, müsste anhand der dann vorliegenden Entscheidung geprüft werden.
Der Rechtsstreit könnte also weitergehen
Mit dem Urteil vom 1. September ist die erste gerichtliche Runde entschieden – New In Chess hat sämtliche von Kramnik in diesem Eilverfahren gestellten Forderungen abgewehrt.
Rechtskräftig abgeschlossen muss der Streit damit jedoch noch nicht sein. Kramnik hat grundsätzlich die Möglichkeit, das Urteil innerhalb der für das Eilverfahren geltenden Frist anzufechten. Erst wenn feststeht, ob tatsächlich Berufung eingelegt wurde, beginnt die nächste juristische Runde.