Zurich Chess Challenge Titel: OLEG SKVORTSOV – DER MACHER VON ZÜRICH

Abschied von Oleg – dem Schöpfer des Zürcher Schachspektakels

Für die Leser von Schachinfo veröffentlichen wir Erinnerungen von Frederic Friedel, Mitbegründer und prägende Persönlichkeit von ChessBase, an den kürzlich verstorbenen Oleg Skvortsov. Viele Schachfreunde in der Schweiz werden sich mit Nostalgie an die traditionellen Grossmeisterturniere im Zürcher Hotel Savoy erinnern. Diese unvergesslichen Schachereignisse wurden von Oleg Skvortsov ermöglicht und unterstützt. Hier die Erinnerungen von Frederic Friedel.

Frederic Friedel: Erinnerung an Oleg Skvortsov

Vor wenigen Wochen ist der grosse Schachorganisator und Mäzen Oleg Skvortsov im Alter von 57 Jahren verstorben. Jahrelang lud er uns zu seiner „Zurich Chess Challenge“ ein, bei der einige der besten Spieler der Welt gegeneinander antraten. In dieser Zeit hatten wir Gelegenheit, ihn persönlich und unmittelbar kennenzulernen. Die Nachricht von seinem Tod kam für uns völlig überraschend und hat uns tief getroffen.

Oleg Skvortsov war ein bedeutender russischer Geschäftsmann, Schachmäzen und Organisator internationaler Turniere. In der weltweiten Schachgemeinschaft galt er als einer der führenden modernen Förderer des Schachs. Er setzte sein Vermögen und seine Leidenschaft dafür ein, Eliteturniere zu finanzieren und junge Talente zu fördern. Seit 2014 finanzierte er auch die traditionellen Moskauer Generationen-Wettkämpfe „Nutcracker“, bei denen die besten Nachwuchsspieler der Welt auf legendäre und etablierte Grossmeister trafen.

Zurich Chess Challenge

Oleg organisierte dieses Turnier jedes Jahr von 2012 bis 2017. Sein Ziel war es, für die Spitzenspieler eine angenehme, beinahe familiäre Atmosphäre und gleichzeitig erstklassige Bedingungen zu schaffen.

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Die Zurich Chess Challenge 2014 brachte das erste Aufeinandertreffen des damals neuen Weltmeisters Magnus Carlsen mit dem ehemaligen Weltmeister Viswanathan Anand. Hinzu kamen vier weitere Weltstars: Levon Aronian, Hikaru Nakamura, Fabiano Caruana und Boris Gelfand...

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enter image description here Zurich Chess Challenge 2014 im Hotel Savoy Baur en Ville: Oleg Skvortsov brachte die absolute Weltelite nach Zürich. Foto: ChessBase

enter image description here Oleg Skvortsov und Viswanathan Anand bei der Zurich Chess Challenge 2017. Skvortsov machte Zürich über Jahre zu einem Treffpunkt der Weltelite. Foto: Frederic Friedel/ChessBase

Das Turnier ging als erstes Superturnier der Kategorie 23 in die Schachgeschichte ein. Der durchschnittliche Elo-Wert der Teilnehmer lag bei über 2800 – ein bis dahin unerreichter Wert.

Persönliche Erinnerungen

Ich besuchte die Zurich Chess Challenge von 2013 bis 2017 jedes Jahr und blieb jeweils während des gesamten Turniers. Oleg war als Gastgeber ausserordentlich grosszügig. Er stellte mir ein schönes Hotelzimmer in der Nähe des Turnierortes zur Verfügung und übernahm sämtliche Kosten. Ich musste lediglich meine Reise von Hamburg nach Zürich und zurück bezahlen. Als er einmal erfuhr, dass meine Zugfahrt zehn Stunden dauerte, bestand er darauf, mir beim nächsten Mal ein Flugticket zu bezahlen. Ich verstand mich ausgezeichnet mit Oleg. Auch ausserhalb des Schachs war Skvortsov ein aussergewöhnlich gebildeter Mann. Er hatte in Geschichte promoviert und leitete grosse Forschungsprojekte an der Russischen Akademie der Wissenschaften. Wir verbrachten Stunden mit Gesprächen über politische und historische Themen. Er war ein Experte für den Kalten Krieg, und ich habe viel von ihm gelernt. Einmal fragte ich ihn nach einem Gespräch, das bereits eine Stunde gedauert hatte: „Solltest du dich nicht eigentlich um die Spitzenspieler kümmern, anstatt deine Zeit mit mir zu verbringen?“ Seine Antwort: „Die sind beschäftigt, sie denken.“ Sie bereiteten sich auf ihre nächste Partie vor. Oleg hatte einen grossartigen Sinn für Humor. Einmal sagte ich ihm, sein Nachname Skvortsov sei viel zu schwierig zu lesen und sich zu merken. Aus Spass begannen wir deshalb, nach einem Ersatznamen für ihn zu suchen, und erfanden die verrücktesten Varianten. Schliesslich sagte er zu mir: „Gut, jetzt musst du dich noch um Nepomniachtchi kümmern!“

Natürlich sprachen wir auch über Computerschach. Oleg war erstaunt, als er erfuhr, dass mich nur ein einziger Handschlag vom grossen Alan Turing trennte: Ich hatte Donald Michie kennengelernt, der während des Zweiten Weltkriegs mit Turing in Bletchley Park gearbeitet hatte. Noch beeindruckter war Oleg, als er erfuhr, dass wir bei ChessBase Turings sogenannte „Papiermaschine“ tatsächlich rekonstruiert hatten.

Schach und Musik

Oleg liebte Musik. Als er herausfand, dass auch ich ein Musikliebhaber bin und mich recht gut mit klassischer Musik auskenne, wurde dies zu einem Thema, auf das wir immer wieder zurückkamen. enter image description here Er nahm mich sogar zu mehreren Kammermusikkonzerten mit und engagierte Violinisten, die am Austragungsort des Schachturniers auftraten.

enter image description here Auf dem Foto oben sind Ian Nepomniachtchi, Peter Svidler, Anatoly Karpov, Oleg Skvortsov und seine Frau Natalia zu sehen.

Eine Erinnerung, die geblieben ist

Es gab so viele angenehme und interessante Abende. Von einem möchte ich erzählen, an den ich mich noch heute zwei- oder dreimal pro Woche erinnere, wenn ich an Oleg denke. Oleg lud mich häufig zum Abendessen ein. Einmal gingen wir anschliessend in ein erstklassiges Restaurant, wo wir einen Freund von ihm trafen, einen grossen Whisky-Kenner. Er liess mich einige der besten Whiskys probieren. Von diesem Experten lernte ich, welche Sorten besonders gut sind und wie man Whisky richtig geniesst: Eine kleine Menge wird in ein tulpenförmiges Glas gegeben. Anschliessend fügt man einige Tropfen Wasser bei Raumtemperatur hinzu. Dadurch können sich feine, zuvor verborgene Aromen besser entfalten. Das Wasser sollte Quellwasser sein und tropfenweise hinzugegeben werden, wobei man nach jedem Tropfen erneut probiert. Noch heute habe ich zu Hause immer eine Flasche Amrut und eine Flasche Quellwasser. Und jedes Mal, wenn ich mir ein kleines Glas davon oder einen anderen Single Malt gönne und ihn auf diese Weise zubereite, erinnere ich mich an jenen Abend mit Oleg und seinem Freund, dem Whisky-Experten. Oleg, du fehlst uns!

Frederic Friedel enter image description here Emeritierter Chefredakteur der ChessBase-News-Seite. Er studierte Philosophie und Linguistik an den Universitäten Hamburg und Oxford und schloss sein Studium mit einer Arbeit über die Sprechakttheorie und moralische Sprache ab. Zunächst begann er eine akademische Laufbahn, wechselte dann jedoch in den Wissenschaftsjournalismus und produzierte Dokumentarfilme für das deutsche Fernsehen. 1986 war er Mitbegründer von ChessBase.

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