Unter dem Hammer – DIE LEGENDÄRE SCHACHSAMMLUNG VON LOTHAR SCHMID

Unter dem Hammer – die legendäre Schachsammlung von Lothar Schmid

Eine aussergewöhnliche Auktion bei Sotheby’s in London hat die Schachwelt in Staunen versetzt. Versteigert wurde die private Sammlung des deutschen Grossmeisters, Schiedsrichters und Bibliophilen Lothar Schmid (1928–2013), die als eine der bedeutendsten Schachsammlungen aller Zeiten gilt.

Schmid ist vor allem als Hauptschiedsrichter des WM-Kampfes Fischer–Spasski 1972 in Reykjavik bekannt. Damals spielte er eine entscheidende Rolle dabei, den legendären Wettkampf trotz zahlreicher Konflikte und Boykottdrohungen von Bobby Fischer am Leben zu erhalten. Viele Schachhistoriker sind überzeugt, dass ohne Schmids diplomatisches Geschick das Match möglicherweise nie zu Ende gespielt worden wäre.

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Die Versteigerung brachte mehrere Rekordergebnisse hervor. Besonders spektakulär war der Verkauf eines der seltensten Schachbücher der Welt: Lucenas „Repetición de Amores y Arte de Ajedrez“ aus dem späten 15. Jahrhundert erzielte einen Preis von 179.200 Pfund und wurde damit zum teuersten Schachbuch der Geschichte. Von diesem Werk existieren weltweit nur noch zehn Exemplare. enter image description here

Fischer–Spasski: Partiturni formular za 140'800 Pfund versteigert

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In seiner Kolumne „Under the Hammer“ im britischen CHESS Magazine berichtet der schottische Schachhistoriker John Henderson über die spektakuläre Versteigerung der weltberühmten Schachsammlung des deutschen Grossmeisters und Schiedsrichters Lothar Schmid.

Zu den herausragenden Losen gehörten die Original-Partieformulare der 17. Partie des WM-Kampfes Bobby Fischer – Boris Spasski aus dem Jahr 1972 in Reykjavík. Die sieben Dokumente umfassen die handschriftlichen Notationen beider Weltklassespieler sowie die Aufzeichnungen des Hauptschiedsrichters Lothar Schmid. Sämtliche Formulare tragen die Originalunterschriften der Spieler und wurden zusammen mit dem Originalumschlag angeboten.

Das Auktionshaus Sotheby's hatte den Wert der einzigartigen Dokumente auf 5'000 bis 7'000 Pfund geschätzt. Das Interesse der Sammler war jedoch enorm: Nach einem intensiven Bieterduell fiel der Hammer erst bei 140'800 Pfund – mehr als dem Zwanzigfachen der oberen Schätzung. Die von beiden Weltklassespielern unterschriebenen Notationsblätter wurden für 140.800 Pfund verkauft und stellen nun das teuerste Partieformular der Schachgeschichte dar. Der Käufer blieb anonym.

Besonders interessant ist die Frage, wo sich die Originalformulare der übrigen 20 WM-Partien befinden. is heute gilt dies als eines der grossen ungelösten Rätsel der Schachgeschichte. Einige Experten hoffen, dass die Rekordpreise der Sotheby’s-Auktion weitere bislang verborgene Schätze ans Licht bringen werden.

Die Partie endete damals remis, doch der historische Wert der Unterlagen ist kaum zu überschätzen. Fischer führte zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich und gewann wenig später den legendären WM-Kampf, mit dem er die jahrzehntelange sowjetische Dominanz im Weltschach beendete. Für Henderson sind die Partieformulare weit mehr als gewöhnliche Notationsblätter – sie sind einzigartige Zeitzeugen des berühmtesten Schachkampfes des 20. Jahrhunderts und zählen zu den wertvollsten Schachdokumenten, die jemals versteigert wurden.

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Lothar Schmid über den legendären WM-Kampf

Lothar Schmid (1928–2013) war weit mehr als nur der Schiedsrichter des legendären WM-Kampfes zwischen Bobby Fischer und Boris Spasski im Jahr 1972 in Reykjavík. Der deutsche Internationale Schiedsrichter, Grossmeister und Verleger spielte eine entscheidende Rolle dabei, dass das «Match des Jahrhunderts» überhaupt zu Ende geführt werden konnte. In zahlreichen Interviews erinnerte sich Schmid an dramatische Momente hinter den Kulissen und schilderte seine Begegnungen mit den beiden Schachlegenden. Einige seiner bekanntesten Aussagen sind bis heute untrennbar mit diesem historischen Wettkampf verbunden.

Der berühmteste Ausspruch:

Schmids bekanntester Ausspruch bezieht sich auf den dramatischen Beginn der dritten WM-Partie, als der Wettkampf kurz vor dem Abbruch stand. Später erinnerte er sich:

„Ich nahm beide an den Schultern und sagte: Um Gottes willen – spielt jetzt!“

Anschliessend fügte er hinzu:

„Und tatsächlich machte Boris Spasski fast automatisch seinen ersten Zug: 1.d4.“

Warum gerade Lothar Schmid?

Über sein Verhältnis zu Bobby Fischer und Boris Spasski sagte Schmid: „Ich wurde von beiden Spielern akzeptiert.“

Über seine Rolle beim «Match des Jahrhunderts» Anlässlich des 40. Jahrestages des WM-Kampfes erklärte Schmid:

„Es war möglich, zwei so unterschiedliche Charaktere zusammenzubringen.“

Der entscheidende Augenblick

Als Boris Spasski bereits auf dem Weg zur Tür war und der WM-Kampf zu scheitern drohte, erinnerte sich Schmid später an diesen Schlüsselmoment:

„Ich hatte das Gefühl, dass es nur eine einzige Chance gab.“

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