Tradition mit Geschichte: DER ZEREMONIELLE ERSTE ZUG

Der zeremonielle erste Zug: Wenn Prominente Schachgeschichte schreiben

Der zeremonielle erste Zug gehört seit vielen Jahrzehnten zu den schönsten Traditionen des Schachs.Staatsoberhäupter, Politiker, Sportler oder Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens eröffnen grosse Turniere symbolisch mit dem ersten Zug auf dem Schachbrett.

Normalerweise werden die Figuren anschliessend wieder in die Ausgangsstellung zurückgesetzt und die Partie beginnt regulär. Nur mit Zustimmung beider Spieler bleibt der symbolische Zug auf dem Brett und wird zum tatsächlichen ersten Zug der Partie.

Gorbatschow überraschte Karpow mit 1.g4!!

Zu den berühmtesten Episoden dieser Tradition gehört ein Vorfall vom 28. Oktober 2005 in Lindsborg (Kansas, USA). Im Rahmen der Veranstaltung „Chess for Peace“ eröffnete der ehemalige sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow den Schnellschachkampf zwischen Anatoli Karpow und Susan Polgar.

Anstelle eines klassischen Eröffnungszuges wie 1.e4 oder 1.d4 spielte Gorbatschow völlig überraschend 1.g4 – den Grob-Angriff, eine der ungewöhnlichsten Eröffnungen im Schach. Mit einem Lächeln erklärte er:

Ich möchte dem älteren Spieler einige Schwierigkeiten bereiten.

Karpow war zunächst überzeugt, dass es sich um einen Scherz handelte, und bat darum, den ersten Zug wieder zurückzunehmen. Doch Gorbatschow blieb ernst und antwortete:

„Im Schach gibt es kein Zurücknehmen von Zügen.“

Damit musste Karpow die Partie tatsächlich aus der Stellung nach 1.g4 beginnen. Trotz der ungewöhnlichen Ausgangslage gewann der ehemalige Weltmeister die erste Partie des Wettkampfs gegen Susan Polgar.

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Für zusätzliche Heiterkeit sorgte Gorbatschow wenig später, als er während der laufenden Partie an das Brett trat und beiden Spielern Wasser einschenkte. Susan Polgar erzählte später mit einem Augenzwinkern, dieser unerwartete Moment habe sie so überrascht, dass sie ihre Konzentration verlor. Bis heute gilt diese Episode als eine der originellsten Geschichten rund um den zeremoniellen ersten Zug im internationalen Schach.

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Auch Schauspieler Woody Harrelson sorgte für Schlagzeilen. Vor der ersten Partie der Schach-WM 2016 zwischen Magnus Carlsen und Sergej Karjakin führte er den zeremoniellen ersten Zug aus. Carlsen akzeptierte den Zug und spielte die Partie von dieser Stellung aus weiter.

Immer häufiger übernehmen auch ehemalige Weltmeister diese ehrenvolle Aufgabe. So spielte Garri Kasparow 2024 den symbolischen ersten Zug für die Partie Magnus Carlsen – Gukesh D beim Superbet Rapid & Blitz in Polen. Ebenso eröffnete Viswanathan Anand symbolisch eine Partie der Schach-WM 2024 zwischen Gukesh D und Ding Liren.

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André Vögtlin, Präsident des Schweizerischen Schachbundes, eröffnet mit dem zeremoniellen ersten Zug die Partie von GM Wassyl Iwantschuk bei der Europameisterschaft 2026.

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