De Seroux und Fecker auf Kurs
Beim "Paul-Keres-Memorial" in Tallinn sind sechs Runden gespielt. Aus Schweizer Sicht können vor allem WIM Camille De Seroux (2170) und FM Noah Fecker (2371) mit ihrer bisherigen Bilanz zufrieden sein.
Ein Turnier mit grosser Tradition
Das Paul-Keres-Memorial gehört zu den traditionsreichsten Schachveranstaltungen Estlands und erinnert an den legendären Grossmeister Paul Keres (1916–1975). Keres, in Narva geboren, zählt zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der estnischen Sportgeschichte und zu den stärksten Spielern, die niemals Weltmeister wurden. Über Jahrzehnte gehörte er zur absoluten Weltspitze und spielte gegen zahlreiche Weltmeister seiner Epoche.
Im Zeichen von Paul Keres
Keres Memorial: Tradition lebt
Nach seinem Tod 1975 wurde bereits 1976 in Tallinn ein internationales Gedenkturnier zu seinen Ehren ausgetragen. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich das "Keres-Memorial" zu einer festen Tradition im estnischen Schachkalender. Dabei traten immer wieder bekannte Grossmeister aus Estland und zahlreichen anderen Ländern an.
GM Paul Keres besitzt in Estland bis heute einen aussergewöhnlichen Stellenwert. Sein Porträt befindet sich sogar auf der estnischen Zwei-Euro-Gedenkmünze, die 2016 anlässlich seines 100. Geburtstages herausgegeben wurde. Das Memorial in Tallinn ist deshalb weit mehr als nur ein internationales Turnier: Es ist eine jährliche Erinnerung an den grössten Schachspieler Estlands und an eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der Schachgeschichte.
An der Spitze des Turniers liegt der chinesische Grossmeister Zeng Chongsheng (2565) mit 5 Punkten aus 6 Partien. Dahinter folgt eine grosse Verfolgergruppe mit jeweils 4,5 Punkten.
De Seroux mit 4 aus 6 auf Platz 15 Die beste Schweizer Platzierung hält derzeit WIM Camille De Seroux (2170). Mit starken 4 Punkten aus sechs Partien belegt sie den 15. Rang und befindet sich damit weiterhin in unmittelbarer Nähe zur Spitzengruppe. De Seroux liegt nur einen Punkt hinter dem führenden Zeng und lediglich einen halben Punkt hinter der grossen Gruppe auf den Plätzen zwei bis neun. Bemerkenswert ist auch, dass sie damit deutlich über ihrer Startposition liegt: Die Schweizerin war als Nummer 22 gesetzt.
Der Schweizer war als Nummer 11 gestartet und befindet sich momentan in einer grossen Gruppe mit 3,5 Punkten. Nur ein halber Punkt trennt ihn von seiner Landsfrau De Seroux und ein voller Punkt von den unmittelbaren Verfolgern des Spitzenreiters.
Schweizer nach 6 Runden:
15. WIM Camille De Seroux (2170) – 4/6
18. FM Noah Fecker (2371) – 3,5/6
Keres auf der estnischen Banknote

Welchen aussergewöhnlichen Stellenwert Paul Keres in seiner Heimat besitzt, zeigt auch eine besondere Ehrung: Sein Porträt schmückte die estnische 5-Kronen-Banknote. Die Banknote wurde 1991/92 sowie 1994 ausgegeben. Auf der Vorderseite ist Paul Keres abgebildet, auf der Rückseite sind die Hermannsfeste in Narva, der Fluss Narva sowie die gegenüberliegende Festung Iwangorod zu sehen. Damit wurde Keres nicht nur als herausragender Schachspieler, sondern als eine der bedeutenden Persönlichkeiten Estlands gewürdigt. Die historische Banknote ist bis heute ein eindrucksvolles Symbol dafür, welchen besonderen Platz der legendäre Grossmeister im kulturellen Gedächtnis seines Landes einnimmt.