Olympiade Usbekistan 2026: HEISSER UND TURBULENTER SOMMER BEI DER FIDE

S.Adzic

Seit Jahrhunderten gibt es am Schachbrett immer wieder absurde Situationen. Doch in der vergangenen Woche haben die Absurditäten die 64 schwarz-weissen Felder verlassen und auch den rutschigen Boden der Schachpolitik erreicht.

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel kam am 23. Juli aus Brüssel die Nachricht: Die Arbeit von Arkady Dworkowitsch als Präsident des Weltschachbundes FIDE fand an jenem Juliabend praktisch ein ziemlich abruptes Ende. Der FIDE-Präsident wurde in das 21. Sanktionspaket der Europäischen Union und der Schweiz aufgenommen. Der russische Funktionär suspendierte umgehend seine Befugnisse und verzichtete gleichzeitig öffentlich auf eine Teilnahme an den Wahlen im September. Die Aufgaben des Präsidenten übertrug er an Grossmeister, FIDE-Vizepräsident und mehrfachen Weltmeister Viswanathan Anand.

Was geschieht nach diesem Ereignis in der Schachwelt?

In dieser heissen Woche und nur zwei Monate vor den FIDE-Präsidentschaftswahlen beim Kongress am 26. und 27. September in Usbekistan veröffentlicht Schachinfo die Aussagen und Reaktionen aus der Spitze des Weltschachs.

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REAKTIONEN

Arkady Dworkowitsch: „Iljumschinow werde ich definitiv nicht unterstützen“

Fast unmittelbar nach der Veröffentlichung seiner Erklärung über die Suspendierung seiner Befugnisse sagte Dworkowitsch: „Leider werde ich an den Wahlen zum FIDE-Präsidenten am 26. und 27. September nicht teilnehmen. Meine Teilnahme würde Risiken für die Organisation schaffen“, zitiert die russische Nachrichtenagentur TASS seine Worte. Gleichzeitig ist Dworkowitsch nicht bereit, seinen einzigen Landsmann bei den bevorstehenden Wahlen zu unterstützen. „Ich werde Kirsan Iljumschinow bei der Wahl zum FIDE-Präsidenten definitiv nicht unterstützen, weil ich seine Ansichten nicht teile“, erklärte der Funktionär gegenüber RIA Novosti.

Anatoli Karpow: „Dummheit ist schwer vorherzusagen“

Die Sanktionen gegen Arkady Dworkowitsch werden sich sowohl auf das internationale als auch auf das russische Schach auswirken. Aber Dummheit ist schwer vorherzusagen. Dass Dworkowitsch nicht an der Wahl zum FIDE-Präsidenten teilnehmen wird, ist ein Schlag für das Weltschach“, zitiert RIA Novosti Karpow.

Wladimir Kramnik: „Das Ende seiner Amtszeit kommt in einem Moment der Krise“

Gleichzeitig äusserte sich der 14. Weltmeister Wladimir Kramnik bei seiner Analyse von Dworkowitschs Arbeit überwiegend negativ. „Das unrühmliche, aber erwartete Ende seiner Amtszeit als FIDE-Präsident kommt in einem Moment, in dem sich diese Organisation in einer Reputations-, Finanz- und Führungskrise befindet“, erklärte er gegenüber „SE“.

Sergej Smagin: „Bei uns in Russland wird alles in Ordnung sein“

Bis zu den Wahlen wird der 15. Weltmeister, der Inder Viswanathan Anand, die Aufgaben des FIDE-Präsidenten wahrnehmen. Nach Ansicht des Vizepräsidenten des Russischen Schachverbandes, Sergej Smagin, wird sich die Lage der russischen Schachspieler unter seiner Führung nicht verschlechtern. „Ich denke, solange Anand die Führung innehat, wird bei uns alles in Ordnung sein. Er wird keine radikalen Entscheidungen treffen. Höchstwahrscheinlich wird er bis zu den Wahlen technische Aufgaben wahrnehmen. Seine Aufgabe besteht darin, dafür zu sorgen, dass die Wahlen so ruhig wie möglich verlaufen und der neue Präsident sein Amt normal übernehmen kann“, erklärte Smagin gegenüber TASS.

Kirsan Iljumschinow: „Ich rechne mit einem Wahlsieg!“

Einer der Kandidaten für das Amt des FIDE-Präsidenten ist ein weiterer Russe – Kirsan Iljumschinow. Iljumschinow, der den Weltschachbund von 1995 bis 2018 führte, rechnet mit einem Sieg bei den Wahlen. „Ich rechne nur mit einem Sieg und bin von mir überzeugt. Denn ich gehe nicht wegen eines Amtes zur FIDE – ich war bereits 23 Jahre Präsident. Ich kehre zurück, um die Schachwelt wieder zu vereinen. So kann es nicht weitergehen“- zitiert RIA Novosti seine Worte. Gegenüber TASS erklärte Iljumschinow: „Da Arkady Dworkowitsch zurückgezogen hat und nicht kandidieren wird, wollen sich viele, die ihn unterstützt haben, dem Team anschliessen. Meine Türen stehen offen. Meine Aufgabe ist es, die Schachwelt zu vereinen.

enter image description here Duma-Abgeordneter Wjatscheslaw Fetissow: „Kirsans Autorität ist enorm!“

Die Kandidatur Iljumschinows wurde bereits vom Russischen Schachverband unterstützt. Der Abgeordnete der Staatsduma Wjatscheslaw Fetissow ist der Ansicht, dass der Russe gute Chancen habe, die Deutschen Wadim Rosenstein und Jan Henric Buettner zu besiegen, die zuvor ihre Bereitschaft erklärt hatten, sich am Kampf um die Führung des Weltschachs zu beteiligen. „Er ist ein Mann, der in dieser Welt bekannt und respektiert ist und über grosse Ressourcen verfügt. Er übernahm den Schachverband zu einem Zeitpunkt, als dieser praktisch vor dem Zerfall stand. Seine Autorität in der Schachwelt ist enorm“ - zitiert TASS Fetissows Worte über Iljumschinow.

Kandidat aus Kasachstan Timur Turlov: „Rund 200 Verbände entscheiden“

Als Kandidat für die Führung der FIDE trat auch der Präsident des Kasachischen Schachverbandes, Timur Turlov, an. Gerade er galt als „Plan B“ des Teams von Dworkowitsch. Bei seinem Kommentar zu den jüngsten Ereignissen erwähnte der kasachische Funktionär auch den politischen Aspekt der Arbeit im Sport. „In der FIDE gibt es rund 200 nationale Verbände, die unterschiedliche Kulturen, Regionen und Interessen vertreten. Hier ist es besonders wichtig, ein Gleichgewicht zu finden und Entscheidungen zu treffen, die im Interesse der gesamten Schachgemeinschaft liegen. Ich bin überzeugt, dass ich genau diese Prinzipien des Gleichgewichts und des Respekts im Dialog in die Arbeit des Verbandes einbringen kann, die heute die Aussenpolitik Kasachstans kennzeichnen“ - zitiert „Kursiv“ Turlovs Worte. Vor den Schachspielern, aber auch vor den Schachfunktionären, Organisatoren und Mäzenen liegt zweifellos ein langer, heisser und turbulenter Sommer.

Die besten Grossmeister der Welt werden sich auf die Schacholympiade in Samarkand vorbereiten, während parallel dazu in Usbekistan ein grosser Kampf um den Präsidentensessel der FIDE stattfinden wird.

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Die Generalversammlung und die Entscheidung über die künftige Führung des Weltschachbundes stehen beim Kongress am 26. und 27. September an.Bislang sind vier Kandidaten nominiert.

The show must go on …

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