Wenn Grossmeister daneben greifen
Der zweitägige freundschaftliche Vergleich zwischen den USA und Usbekistan wurde mit verkürzten Bedenkzeiten ausgetragen. Im Rapid standen den Spielern 15 Minuten plus 10 Sekunden Inkrement pro Zug zur Verfügung, im Blitz waren es 3 Minuten plus 2 Sekunden.
Wir haben für Sie zwei Partien herausgesucht, die zeigen, dass selbst die besten Schachspieler der Welt vor groben Fehlern nicht gefeit sind.
Nakamura – Abdusattorov: Ein Zug stellt alles auf den Kopf

In der ersten Partie traf Hikaru Nakamura auf Nodirbek Abdusattorov.

In der entscheidenden Stellung stand Schwarz besser. Doch nach 37...Txe4?? und dem folgenden 38.Tb8+ kippte die Partie schlagartig zugunsten Nakamuras.

Stattdessen musste Schwarz 37...Dxe4! spielen. Dies war der einzige richtige Zug, mit dem Abdusattorov einen kleinen Vorteil hätte bewahren können.

Ein einziger Fehlgriff – und aus einer besseren Stellung wurde innerhalb weniger Züge eine Niederlage.
Sindarov – Nakamura: GESCHICHTE WIEDERHOLT SICH
Noch erstaunlicher verlief die Partie Javokhir Sindarov – Hikaru Nakamura.
Der amerikanische Grossmeister verlor – fast unglaublich – in derselben Eröffnungsvariante und gegen denselben Gegner wie vor kurzem beim Kandidatenturnier auf Zypern.

Sindarov, der im November dieses Jahres in Genf um die Weltmeisterschaft spielen wird, nutzte Nakamuras Fehler konsequent aus und führte seinen Angriff äusserst effizient zum Sieg. Nach lediglich 22 Zügen war die Partie entschieden.
Javokhir Sindarov (Diagram WEISS – Hikaru Nakamura ( Diagram SCHWARZ)
Miami, USA-USBEKISTAN

16.Lf7! +– ( Diagram 1) Lxh2+
17.Kh1 Weiss droht mit Lg6 matt! 17...Lf4
18.Te7 Weiss setzt seinen Angriff auf den schwarzen König fort. 18...Tad8? (Diagram 2)

19.Lf6 Weiss steht klar auf Gewinn. 19...Dd6
20.Lg6 h6

21.Lxg7+ ( Diagram 3) Kg8
22.Lh7+ 1–0
Nakamura: „Diese Niederlage ist allein meine Schuld“
Hikaru Nakamura erklärte anschliessend, wie es zu dieser überraschend schnellen Niederlage gegen Sindarov kommen konnte: „Wenn ich mir diese Variante vor der Partie angesehen hätte, hätte ich mich mit grosser Wahrscheinlichkeit daran erinnert. Aber es war eine Rapid-Partie, die Zeit läuft unerbittlich ab, und schliesslich machte ich einen Fehler, indem ich die falsche Zugreihenfolge wählte. Das ist sehr ähnlich zu dem, was mir gegen Javokhir Sindarov beim Kandidatenturnier passiert ist. Damals kannte ich einen seiner Züge nicht und machte unmittelbar danach einen schweren Fehler. Im Gegensatz zu damals, als es ausschliesslich eine Frage der Vorbereitung war und dieser Zug nicht in meiner Datenbank stand, war es diesmal völlig anders. Diese Variante befand sich in meiner Datenbank, aber ich hatte sie vor der Partie einfach nicht wiederholt. Dafür trage ich die volle Verantwortung, weil ich mich weder auf diese Partie noch auf das gesamte Match ausreichend vorbereitet habe“, sagte Nakamura.