Kramnik:„EIN UNRÜHMLISCHES,ABER ERWARTBARES ENDE SEINER AMTSZEIT“

Moskau (Russland) - Kramnik über Dworkowitsch:Ein unrühmliches, aber erwartbares Ende seiner Amtszeit“

Der 14. Schachweltmeister Wladimir Kramnik hat sich ausführlich zur Amtszeit von Arkady Dworkowitsch als Präsident des Weltschachbundes FIDE geäussert. Nachdem Dworkowitsch in das 21. Sanktionspaket der Europäischen Union aufgenommen wurde und seine Amtsgeschäfte suspendierte, wird er nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren.

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Kramnik sprach von einem „unrühmlichen, aber erwartbaren Ende“ der Präsidentschaft.

Das unrühmliche, aber erwartbare Ende seiner Amtszeit als FIDE-Präsident kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Organisation in einer Reputations-, Finanz- und Führungskrise befindet.“

Gleichzeitig würdigte der frühere Weltmeister den persönlichen Einsatz Dworkowitschs.

„Ich muss betonen, dass Arkady Dworkowitsch viel Zeit und ehrliche Arbeit in dieses Amt investiert hat.“

Dennoch seien nach seiner Ansicht zahlreiche schwerwiegende Führungsfehler ausschlaggebend für die heutige Situation gewesen.

Die Auswahl eines inkompetenten Teams, das Fehlen einer strategischen Vision, ständige und erfolglose Versuche, es allen Seiten recht zu machen, die übermässige Abhängigkeit von der öffentlichen Meinung sowie das Stopfen finanzieller Löcher durch die Annahme praktisch jeder Sponsorenvereinbarung haben zum Verlust von Ansehen und Einfluss der FIDE in der Schachwelt geführt.“

Warnung vor eineinhalb Jahren

Nach Angaben Kramniks habe sich die Führungskrise innerhalb der FIDE bereits vor mehreren Jahren deutlich abgezeichnet und sich seither immer weiter verschärft.

Er erklärte zudem, Dworkowitsch bereits vor rund eineinhalb Jahren persönlich gewarnt zu haben.

Ich habe ihn aufgefordert, die ständigen Kompromisse zu beenden und endlich entschlossen zu handeln, weil der FIDE der vollständige Verlust ihrer Autorität und ihres Einflusses drohte.“

Stattdessen habe der FIDE-Präsident lieber auf sein Umfeld gehört.

Leider hörte Arkady Dworkowitsch lieber auf zahlreiche ‚Freunde‘, die ihm die Lage deutlich schöner darstellten, als sie tatsächlich war.“

Kritik an der Entwicklung der FIDE

Kramnik sieht die FIDE inzwischen in einer schwierigen Lage.

Die Entwicklung erreichte ihren Höhepunkt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt und stürzte die ohnehin komplizierte Situation der FIDE in ein – hoffentlich nur vorübergehendes – Chaos.“

Zugleich kritisierte er die Entwicklung der Schachmedien in den vergangenen Jahren.

Die Schachöffentlichkeit unterscheidet immer weniger zwischen der Realität und den künstlich geschaffenen Narrativen jener Gruppen, die faktisch die Kontrolle über grosse Teile der Schachmedien übernommen haben.“

Hoffnung auf einen Neuanfang

Wie sich die FIDE künftig entwickeln werde, könne derzeit niemand sicher vorhersagen.

Es ist schwer abzuschätzen, wer neuer FIDE-Präsident wird und ob diese Person den Einfluss und die Autorität der FIDE wiederherstellen oder den bisherigen Kurs fortsetzen wird. Fest steht jedoch, dass Veränderungen längst überfällig sind.

Abschliessend äusserte Kramnik die Hoffnung, dass die neue Führung den Weltschachbund wieder stärken werde.

Ich hoffe, dass der neue Präsident der FIDE die Situation verbessern und der Organisation jene führende Rolle in der Schachwelt zurückgeben kann, die ihr von Natur aus zusteht.

Die Wahlen zum neuen FIDE-Präsidenten finden am 26. September während der FIDE- Generalversammlung in Samarkand (Usbekistan) statt.

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