S.Adzic
„Bei der Schacholympiade kann er die Wende schaffen“
Für die Rubrik „Kaum zu glauben“: Der amtierende Schachweltmeister Dommaraju Gukesh, der derzeit beim Chennai Grand Masters den letzten Tabellenplatz belegt, wird aller Voraussicht nach dennoch für Indien bei der kommenden Schacholympiade in Usbekistan antreten.

Eine Meldung, die fast an das bekannte Sprichwort erinnert: „Es ist keine Nachricht, wenn ein Hund einen Menschen beisst – sondern wenn ein Mensch einen Hund beisst.“ Für die Leserinnen und Leser von schachinfo.ch veröffentlichen wir die aktuelle Einschätzung von Srinath Narayanan, dem Kapitän undNationaltrainer der indischen Mannschaft sowie des amtierenden Olympiasiegers.
„In Usbekistan kann Gukesh das Blatt wenden“
Gukesh liegt derzeit beim Chennai Grand Masters auf dem letzten Platz. Dennoch ist Srinath Narayanan überzeugt, dass gerade die besondere Atmosphäre einer Mannschaftsveranstaltung und der offene Charakter der Schacholympiade dem 20-jährigen Weltmeister helfen könnten, sein Selbstvertrauen zurückzugewinnen.
„Gukesh berechnet Varianten aussergewöhnlich gut. Sein Spiel hängt jedoch stark vom Selbstvertrauen ab – und genau das erklärt wahrscheinlich seine grossen Leistungsschwankungen. Wenn er an sich glaubt, spielt er wie gewohnt und kann Erstaunliches leisten. Sinkt sein Selbstvertrauen jedoch nur leicht, wirkt sich das unmittelbar auf seine Partien aus. Fehlt das Selbstvertrauen, beginnt man ständig, die eigenen Entscheidungen zu hinterfragen. Dadurch verbraucht man viel mehr Zeit für Züge, die man normalerweise sofort finden würde. Am Ende fehlt diese Zeit in den kritischen Momenten der Partie.“
Narayanan betont, dass sich Selbstvertrauen oft schon nach ein oder zwei Partien völlig verändern könne.
„Jeder Spitzenspieler hat in seiner Karriere solche Phasen erlebt. Sobald diese schwierige Zeit vorbei ist, wird Gukesh wieder ein völlig anderer Spieler sein. Schon gestern hätte seine Partie gegen Arjun seinem Selbstvertrauen einen enormen Schub geben können, wenn die Dinge nur etwas günstiger verlaufen wären.“
Gerade deshalb sieht der indische Nationaltrainer die bevorstehende Olympiade als grosse Chance.
„Ich glaube, dass Gukesh bei der Olympiade das Blatt wenden kann. Im Gegensatz zu den geschlossenen Einladungsturnieren, an denen er zuletzt teilgenommen hat und bei denen fast alle Spieler zwischen 2650 und 2700 Elo liegen, ähnelt die Olympiade viel mehr einem offenen Turnier. Genau in diesem Format hat Gukesh seine ersten grossen internationalen Erfolge gefeiert.“
Narayanan, der zugleich dem Organisationskomitee des Chennai Grand Masters angehört, will unmittelbar nach Turnierende mit den fünf vorgesehenen Spielern des indischen Olympiakaders sprechen. Zum erweiterten Aufgebot gehören Dommaraju Gukesh, R. Praggnanandhaa, Arjun Erigaisi, Nihal Sarin und Vidit Gujrathi.
Quelle: The Indian Express