In Memoriam : LIVO NEI (1931–2026)

In Memoriam: Sekundant von Boris Spasski im WM-Kampf gegen Bobby Fischer verstorben

Der estnische Ehren-Grossmeister Iivo Nei ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Geboren wurde er am 31. Oktober 1931 in Tartu (Estland). Seine aussergewöhnliche Schachkarriere erstreckte sich über mehr als acht Jahrzehnte. Bereits in jungen Jahren zeigte Nei sein grosses Talent. Seinen ersten bedeutenden Erfolg feierte er 1948, als er den ersten Platz bei der Juniorenmeisterschaft der Sowjetunion teilte.

Nei war achtfacher estnischer Meister (1951, 1952, 1956, 1960–1962, 1971 und 1974) und gewann ausserdem mehrfach die Meisterschaften der baltischen Republiken: 1961 in Palanga, 1962 in Tartu, 1963 in Estland und 1964 in Pärnu. Darüber hinaus nahm er viermal an den hochkarätigen Meisterschaften der Sowjetunion teil.

Den Höhepunkt seiner aktiven Laufbahn erreichte Nei im Jahr 1964, als er den Titel des Internationalen Meisters erhielt. Im selben Jahr teilte er beim Hoogovens-Turnier in Beverwijk (dem späteren Corus- und heutigen Tata-Steel-Turnier) den ersten Platz mit Paul Keres. Dabei liess er unter anderem Lajos Portisch, Borislav Ivkov, Bent Larsen und Bruno Parma hinter sich.

Als Anerkennung seiner konstant starken Leistungen in den 1950 er-, 1960er- und 1970er-Jahren verlieh ihm der FIDE-Rat im Februar 2024 den Titel eines Ehren-Grossmeisters.

Iivo Neis Vermächtnis reicht jedoch weit über seine Turniererfolge hinaus. Er war ein erfolgreicher Trainer der späteren Weltmeisterinnen Nona Gaprindaschwili und Maia Tschiburdanidse. Besonders bekannt wurde er als einer der Sekundanten von Boris Spasski im legendären WM-Kampf 1972 gegen Bobby Fischer in Reykjavík, der als „Match des Jahrhunderts“ in die Schachgeschichte einging.

Gemeinsam mit dem amerikanischen Grossmeister Robert Byrne veröffentlichte Nei das bekannte Buch „Both Sides of the Chessboard“, das einen einzigartigen Einblick in die dramatischen Ereignisse des Weltmeisterschaftskampfes von 1972 bietet.

Mehr als 25 Jahre lang gehörte Nei zu den führenden Schachtrainern Estlands und bildete zahlreiche starke Spieler aus. Ausserdem war er viele Jahre FIDE-Zonenpräsident der Zone 1.7 (Estland, Lettland und Litauen).

Mit seinen Büchern, Analysen und seiner Trainertätigkeit schlug Iivo Nei eine wichtige Brücke zwischen der sowjetischen Schachschule und der übrigen Schachwelt. Selbst auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges trug seine Zusammenarbeit mit westlichen Spielern und Journalisten dazu bei, gegenseitiges Verständnis und Respekt über den Eisernen Vorhang hinweg zu fördern.

Die FIDE und die gesamte internationale Schachgemeinschaft sprechen der Familie von Iivo Nei sowie dem Estnischen Schachverband ihr tief empfundenes Beileid aus.

Foto: Vallo Kruuser / Delfi Meedia

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