Gajewski: „Gukesh hatte früher mehr Schwächen – aber auch mehr Selbstvertrauen“
Der polnische Grossmeister Grzegorz Gajewski, seit 4 Jahren Trainer von Weltmeister Gukesh Dommaraju, hat interessante Einblicke in die Entwicklung seines Schützlings gegeben. Besonders bemerkenswert ist seine Einschätzung von Gukeshs Risikobereitschaft und seiner aktuellen Form. Viele Schachfreunde erinnern sich an die entscheidende letzte Partie der Schach-Weltmeisterschaft 2024 gegen Ding Liren.
Die Stellung schien ausgeglichen, und selbst Ex-Weltmeister Viswanathan Anand ging von einem Remis aus. „Wahrscheinlich endet die Partie remis. Selbst mit dem grössten Optimismus der Welt sehe ich keine Gewinnfortsetzung. Aber eines ist klar: Man weiss es nie, bevor man es nicht versucht hat.“
Dennoch spielte Gukesh weiter. Er wollte keine Möglichkeit ungenutzt lassen und hoffte auf einen Fehler seines Gegners. Tatsächlich unterlief Ding Liren wenig später ein entscheidender Patzer, der Gukesh den Weltmeistertitel sicherte.
Rückblickend erklärt Gajewski: „Genau diese Herangehensweise hat ihn zum Weltmeister gemacht. Er musste viele mutige Entscheidungen treffen, um die Krone zu gewinnen. Deshalb kann ich diesen Ansatz nicht kritisieren.“
Anschliessend sprach der Trainer auch über die derzeitige Situation des Weltmeisters, dessen jüngste Ergebnisse immer wieder kritisch diskutiert werden.
„Es ist sehr schwierig, sich in der Position zu befinden, in der er heute ist. Er steht ständig im Rampenlicht der Öffentlichkeit, und wir tun alles, um wieder das höchste Niveau zu erreichen.“

Besonders aufschlussreich ist Gajewskis Einschätzung von Gukeshs Entwicklung:
„Er hat viele Schwächen. Als er Weltmeister wurde, hatte er dieselben Schwächen wie heute – vielleicht sogar noch mehr. Der entscheidende Unterschied war jedoch, dass er damals über ein enormes Selbstvertrauen verfügte.“
Diese Aussage zeigt, dass für Gajewski nicht nur die schachliche Qualität entscheidend ist. Gerade auf höchstem Niveau spielen Selbstvertrauen, mentale Stärke und die Bereitschaft, Risiken einzugehen, oft eine ebenso grosse Rolle wie die objektive Bewertung einer Stellung.