FIDE / World Chess: OFFIZIELLE ELO BALD AUCH ONLINE?

S.A.

FIDE plant ersten offiziellen Online-Einstiegsratingtest

Lausanne/London,Juni 2026Die FIDE und World Chess haben eine Grundsatzvereinbarung über den Start des Projekts „First Rating Experiment“ bekannt gegeben. Erstmals in der Schachgeschichte soll es möglich werden, den ersten offiziellen FIDE-Rapid- oder Blitz-Elowert für das klassische Brettschach (OTB – Over the Board) durch Online-Partien zu erwerben.

Bislang besitzen weltweit rund 500.000 Spieler eine offizielle FIDE-Wertungszahl. Das neue Projekt soll Millionen weiterer Schachspieler an das offizielle Wertungssystem heranführen – insbesondere jene, die bisher keinen Zugang zu FIDE-gewerteten Turnieren hatten.

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FIDE: Mehr Chancen für neue Spieler

FIDE-Präsident Arkady Dworkowitsch erklärte:

So entwickelt die FIDE den Schachsport verantwortungsvoll weiter – transparent, kontrolliert und gemeinsam mit der Schachgemeinschaft. Unser Ziel ist es, die Integrität des Wertungssystems zu bewahren und gleichzeitig neuen Spielern den Zugang zu ermöglichen.“

Auch Ilja Merenzon, Geschäftsführer von World Chess, sieht darin eine große Chance:

„Eine FIDE-Wertungszahl eröffnet den Weg in den professionellen Schachsport. Viele Spieler hatten bislang keine Möglichkeit, sie zu erwerben. Dieses Programm soll das ändern.“

Wie soll das System funktionieren?

Spieler müssen zunächst eine größere Anzahl gewerteter Online-Partien absolvieren, darunter auch eine Mindestzahl offizieller Online-Turnierpartien. Erst danach erfolgt eine umfassende Fair-Play-Kontrolle. Besteht ein Spieler sämtliche Prüfungen, erhält er eine FIDE-Einstiegswertung. Grundlage ist ein spezieller Umrechnungskoeffizient, der sicherstellen soll, dass eine online erzielte Spielstärke möglichst exakt einer entsprechenden OTB-Spielstärke entspricht. Dieser Koeffizient wird von Experten entwickelt, alle sechs Monate anhand umfangreicher Daten überprüft und muss von der FIDE genehmigt werden.

Obergrenze bei 1800 Elo

Nach dem derzeitigen Vorschlag kann auf diesem Weg höchstens eine FIDE-Wertung von 1800 Elo erreicht werden.Wer eine höhere Wertungszahl anstrebt, muss diese – wie bisher – ausschließlich in klassischen Turnieren am Brett erspielen.Eine Umwandlung der Online-Wertung in eine offizielle OTB-Wertung soll einmal pro Kalenderjahr möglich sein.

Strenge Fair-Play-Kontrollen

Jede Partie wird durch ein mehrstufiges Kontrollsystem überprüft. Verdächtige Ergebnisse werden zunächst gesperrt und anschließend von speziell zuständigen Fair-Play-Offiziellen untersucht.

Jeder Teilnehmer erhält zudem ein offizielles Einspruchsrecht.

Darüber hinaus müssen sich alle Spieler eindeutig identifizieren, bevor sie am Programm teilnehmen können.

Öffentliche Diskussion vor dem Start Noch sind zahlreiche technische Details offen.

Dazu gehören: • die Berechnung des Umrechnungskoeffizienten, • die Qualifikationskriterien, • die Elo-Obergrenze, • sowie das Einspruchsverfahren. FIDE und World Chess betonen ausdrücklich, dass Trainer, Spieler, nationale Verbände und Experten eingeladen sind, Verbesserungsvorschläge einzubringen. Der Start des zweijährigen Pilotprojekts ist für Juli 2026 vorgesehen.


Heftige Kritik am Projekt

Der Vorschlag löste unmittelbar eine kontroverse Diskussion in der internationalen Schachwelt aus. Besonders deutlich äußerte sich der internationale Schiedsrichter Chris Bird, der das Projekt scharf kritisierte: enter image description here

Nein. Das ist eine schreckliche Idee, die offensichtlich ausschließlich vom Geld motiviert ist. OTB-Wertungszahlen dürfen nicht durch Online-Ergebnisse verfälscht werden.

Bird kritisierte ausserdem den wachsenden Einfluss kommerzieller Online-Plattformen auf das FIDE-Wertungssystem.

Es ist schon problematisch genug, dass Spieler ihre FIDE-ID über den World-Chess-Server erhalten. Noch problematischer wäre es, wenn dort künftig auch offizielle OTB-Wertungen vergeben würden.“

Seit der Veröffentlichung des Projekts wird in der internationalen Schachszene intensiv darüber diskutiert, ob Online-Ergebnisse künftig überhaupt Einfluss auf das offizielle FIDE-Wertungssystem für Turniere am Brett haben sollten.

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