Kramnik legt offiziell Berufung ein
Der ehemalige Schachweltmeister Wladimir Kramnik hat offiziell Berufung gegen die am 3. Juli getroffene Entscheidung der Ethik- und Disziplinarkommission der FIDE (EDC) eingelegt.
In seiner Berufung fordert Kramnik vom Berufungsgremium der EDC:
• die Entscheidung vollständig aufzuheben; • festzustellen, dass das Disziplinarverfahren aufgrund wiederholterVerfahrensmängel grundsätzlich fehlerhaft war; • hilfsweise die festgestellten Verstösse und die verhängten Sanktionen aufgrund der Sachlage aufzuheben.

In der ursprünglichen Entscheidung der FIDE-EDC wurde Wladimir Kramnik für mehrere Verstösse gegen den Ethik- und Disziplinarkodex verantwortlich gemacht. Dazu zählen unter anderem Belästigung, Cybermobbing, psychische Misshandlung sowie falsche oder unbegründete öffentliche Anschuldigungen.
Das Disziplinarverfahren wurde im November 2025 eingeleitet, nachdem bei der FIDE eine Beschwerde im Zusammenhang mit Kramniks öffentlichen Äusserungen über Daniel Naroditsky, David Navara und weitere Spieler eingereicht worden war.
Das Verfahren dauerte sieben Monate und 22 Tage, bevor die endgültige Entscheidung getroffen wurde. Über Kramniks Berufung wird nun das Berufungsgremium der FIDE-Ethik- und Disziplinarkommission entscheiden.
Karpow: „Kramnik handelt richtig“

Auch der 12. Schachweltmeister Anatoli Karpow, einer der erfolgreichsten Schachspieler der Geschichte und Sieger von mehr als 100 internationalen Turnieren, hat sich zur Suspendierung Kramniks geäussert.
Karpow kritisierte die Entscheidung der FIDE scharf:
„Kramnik die Teilnahme am Schach zu verbieten, ist eine dumme Entscheidung. Aber solche Leute arbeiten dort heute eben … Früher hat sich die FIDE solche Dinge nicht erlaubt. Die Ethikkommission tut nicht das, was sie eigentlich tun sollte. Wie kann man jemandem die Teilnahme am Schach verbieten wegen etwas, das niemand bestätigen kann?“
Karpow unterstützt Kramniks Entscheidung, Berufung einzulegen:
„Kramnik handelt völlig richtig, indem er Berufung eingelegt hat, und ich glaube, dass er damit Erfolg haben wird. Ich unterstütze die Position unseres Schachspielers vollständig.“
Abschliessend fand Karpow noch deutlichere Worte:
„Die FIDE-Kommission ist verrückt geworden und handelt willkürlich – man weiss nicht, was ihr als Nächstes noch einfällt.“ Damit geht die „Partie FIDE gegen Kramnik“ in die nächste Runde. Nun liegt der nächste Zug beim Berufungsgremium der FIDE.