Chennai Grand Masters will in die Weltspitze – Carlsen bleibt das grosse Ziel
Die Organisatoren des Chennai Grand Masters haben ehrgeizige Pläne. Nach vier erfolgreichen Austragungen soll das Turnier den nächsten Schritt machen und sich langfristig neben Tata Steel Chess,Norway Chess, UzChess und dem Sinquefield Cup als eines der bedeutendsten Schachturniere der Welt etablieren.
Eines ist dabei offensichtlich: Die grösste Wunschverpflichtung heisst Magnus Carlsen!

Die Vision eines Schach-Grand-Slams
Grossmeister Srinath Narayanan, einer der Hauptorganisatoren, sieht im Chennai Grand Masters einen möglichen Bestandteil eines künftigen „Grand Slams des Schachs“, ähnlich wie im Tennis.
Gemeinsam mit Sreekar Channapragada, Mitbegründer der veranstaltenden Organisation, ist er überzeugt, dass sich der Erfolg des Turniers künftig vor allem daran messen wird, wie viele der weltbesten Spieler nach Chennai reisen. Der südindische Schachstandort besitzt längst einen hervorragenden Ruf – nun soll er endgültig zur festen Adresse der Weltelite werden.
Norway Chess als grosses Vorbild
Zwar zählt das Chennai Grand Masters bereits zum FIDE Circuit und vergibt wichtige Punkte im Rennen um die Qualifikation für das Kandidatenturnier, doch das eigentliche Vorbild ist Norway Chess.
Der Grund liegt auf der Hand: Seit 13 Jahren ist dort Magnus Carlsen nahezu garantiert am Start.
Für viele Spitzenspieler ist allein die Möglichkeit, gegen den Norweger anzutreten, ein entscheidender Grund für die Teilnahme.
„Es ist immer Carlsen“, sagt Sreekar Channapragada.
„Ich glaube, in dem Moment, in dem Magnus beim Chennai Grand Masters spielt, werden wir spüren, dass wir unserem grossen Ziel einen entscheidenden Schritt näher gekommen sind.“
Sogar das Spielsystem könnte geändert werden
Um Carlsen für eine Teilnahme zu gewinnen, sind die Organisatoren sogar bereit, den Turniermodus anzupassen.
Diskutiert wird eine neue Zeitkontrolle von 45 Minuten plus 30 Sekunden pro Zug, die von der FIDE als Rapid Classical Chess bezeichnet wird.
„Dadurch werden die Partien kürzer, spannender und es gibt deutlich mehr entschiedene Ergebnisse“, erklärt Channapragada.
Hans Niemann unterstützt die Idee
Auch der amerikanische Grossmeister Hans Niemann spricht sich für modernere Formate aus.
Seiner Ansicht nach sollte sich das Spitzenschach weniger auf den traditionellen klassischen Modus verlassen und mehr Turniere mit entschiedenen Partien bieten.
Als Vorbild nennt er Norway Chess, wo jedes Remis in einer Armageddon-Partie entschieden wird.
Carlsen sagte ab
Für die diesjährige Ausgabe hatten die Organisatoren unter anderem Magnus Carlsen, Fabiano Caruana und den WM-Herausforderer Javokhir Sindarov eingeladen. Carlsen sagte wegen privater Verpflichtungen ab, Caruana verzichtete aufgrund der langen Reise vor seiner Turnierserie in den USA, während Sindarov wegen seines dichten Programms vor dem WM-Kampf ebenfalls absagte.

Trotzdem konnte Chennai mit Alireza Firouzja, Nodirbek Abdusattorov, Arjun Erigaisi sowie Weltmeister Gukesh Dommaraju gleich vier absolute Spitzenspieler präsentieren.
Total Chess Championship als neues Dach
Narayanan ist überzeugt, dass ein echter Schach-Grand-Slam nur funktionieren kann, wenn mehrere Spitzenturniere in ein gemeinsames Wertungssystem eingebunden werden.
Als mögliche Plattform nennt er die neue Total Chess Championship, die später in diesem Jahr in Budapest starten soll.
Das neue Format soll klassisches Schach, Schnellschach und Blitz in einer gemeinsamen Turnierserie vereinen. Nach den neuen FIDE-Regeln werden dort zwei Startplätze für das Kandidatenturnier vergeben.
„Ohne ein gemeinsames Punktesystem wird sich die Idee eines Schach-Grand-Slams nicht durchsetzen“, ist Narayanan überzeugt.
Förderung des indischen Nachwuchses bleibt wichtig
Neben der internationalen Ausrichtung wollen die Organisatoren weiterhin jungen indischen Talenten den Weg an die Weltspitze ebnen.

Als Beispiel nennen sie Pranesh, der zunächst das Challenger-Turnier gewann, sich dadurch für das Hauptturnier qualifizierte und dort mit einem Sieg gegen Weltmeister Gukesh für grosses Aufsehen sorgte.
Das Challenger-Turnier musste in diesem Jahr allerdings aus organisatorischen Gründen entfallen, weil das Teilnehmerfeld des Hauptturniers erst sehr spät feststand.
Magnus Carlsen gewann 2013 in Chennai seinen ersten Weltmeistertitel. Die Organisatoren des Chennai Grand Masters träumen davon, den Norweger bald wieder in der indischen Schachmetropole begrüssen zu dürfen. Nach vier erfolgreichen Ausgaben sehen die Organisatoren das Chennai Grand Masters dennoch erst am Anfang seiner Entwicklung. Das langfristige Ziel ist klar: Chennai soll zu einem der wichtigsten Schachturniere der Welt werden – und irgendwann auch Magnus Carlsen an die Bretter bringen.