„Vielleicht ist klassisches Schach nur für sie gestorben“
In einem kurzen Interview mit ChessBase India hat der mehrfache Weltmeister Viswanathan Anand die aktuellen Aussagen einiger Topspieler kommentiert, wonach sich das klassische Schach in einer Krise befinde oder sogar „sterben“ könnte.
Anand ist überzeugt, dass das klassische Schach weiterhin eine Zukunft hat..
„Ältere Spieler wie Nakamura, Carlsen und MVL haben mehr Freude an schnelleren Formaten. Mir geht es übrigens ähnlich. Sie sagen, das klassische Schach sterbe. Ich würde sagen: Vielleicht ist es nur für sie gestorben. Man kann es weiterhin spielen – es ist einfach eine andere Erfahrung.“
Der ehemalige Weltmeister verweist dabei besonders auf die jüngere Generation:
„Die jungen Spieler bestreiten viele Turniere mit klassischer Bedenkzeit, und es ist sehr interessant, ihnen zuzusehen. Tata Steel ist gerade deshalb eines der spannendsten Turniere, weil die jungen Spieler sehr viel experimentieren.“ Anand sieht das eigentliche Problem weniger in der Zahl der Remis als vielmehr in der langen Karriere vieler etablierter Grossmeister. „Vielleicht haben die älteren Grossmeister nach 20 Jahren Eröffnungsstudium einfach das Interesse daran verloren und wenden sich deshalb schnelleren Formaten zu.“
Sein Fazit:
„Es ist vor allem eine Generationenfrage und kein Problem der hohen Remisquote im klassischen Schach.“
So widerspricht Anand der These vom „Tod des klassischen Schachs“: Nicht das Format selbst habe seine Attraktivität verloren – möglicherweise habe sich lediglich der Blick einer Generation von Spitzenspielern darauf verändert.