Weltranglistenerster vergisst eine einfache Möglichkeit – Praggnanandhaa besiegt Carlsen erneut
Der beste Schachspieler der Welt, Magnus Carlsen, erklärte nach seiner Niederlage gegen R. Praggnanandhaa in der achten Runde des Norway Chess 2026: „Ich habe einfach vergessen, dass er seinen Läufer ziehen kann.“
Carlsen verlor ein Endspiel, das lange Zeit nach einem Remis aussah. Doch in grosser Zeitnot unterlief dem Norweger ein schwerer Fehler,den der indische Grossmeister sofort ausnutzte. Der erfolgreichste Schachspieler der Geschichte mit insgesamt 21 Weltmeistertiteln präsentiert sich beim Norway Chess 2026 überraschend schwach. Dabei hatte Carlsen das Turnier in den vergangenen beiden Jahren gewonnen. Trotz seiner grossen Enttäuschung stellte er sich nach der Partie den Fragen des norwegischen Fernsehsenders TV 2.
„Das war einfach unglaublich schlecht gespielt. Nachdem ich mich eigentlich schon aus der schwierigen Lage befreit hatte, habe ich plötzlich vergessen, dass er den Läufer ziehen kann, der gefühlt eine Ewigkeit gefesselt war. Das hat mich enorm geärgert. Während der Partie hatte ich sogar das Gefühl, dass ich in der Verteidigung gute Arbeit geleistet habe“, sagte Carlsen.

Bereits in der vergangenen Woche hatte Carlsen seine erste Begegnung gegen Praggnanandhaa beim Norway Chess verloren.
„Es geht nicht so sehr um Revanche, sondern darum, auf diesem Turnier einige Punkte zu holen“, erklärte Carlsen gegenüber TV 2 auf dem Weg zur Partie. Auf die Frage, ob er sich gut fühle, antwortete er offen:
„Nein, ehrlich gesagt fühle ich mich ziemlich schlecht. Ich hoffe trotzdem, dass ich eine gute Partie spielen kann.“
Bereits früh in der Partie besuchte Carlsen zum ersten Mal die sogenannte „Confessional Zone“, den Bereich, in dem die Spieler während der laufenden Partie Kommentare abgeben können. Mit einem gequälten Lächeln sagte er: „Ich versuche einen so schlechten Zug zu spielen, dass mein Gegner ihn vielleicht nicht kennt. Das ist modernes Schach!“

Wenig später erschien auch Praggnanandhaa erstmals während des gesamten Turniers in der Confessional Zone.
„Mein Sekundant hatte mir geraten, diese Variante zu überprüfen, aber ich habe vergessen, das zu tun. Allerdings erinnere ich mich, vor einigen Monaten etwas Ähnliches gesehen zu haben. Die Stellung ist sehr kompliziert“, erklärte der junge indische Grossmeister.
Nach etwa anderthalb Stunden Spielzeit trat Carlsen erneut vor die Kameras und gab zu, dass die Partie nicht nach seinen Vorstellungen verlief.
„Alle Ideen, die ich vor einer Stunde über diese Stellung hatte, haben sich als völlig falsch erwiesen. Aber jetzt befinden wir uns in einer Situation, in der mir meine Intuition sagt, dass Weiss eigentlich nicht schlechter stehen kann“, sagte er.
Während der Partie verbrauchte Carlsen deutlich mehr Zeit als sein Gegner. Zeitweise verfügte Praggnanandhaa über nahezu eine Stunde mehr Bedenkzeit. Später verringerte sich dieser Unterschied zwar, doch auf dem Brett übernahm der Inder zunehmend die Kontrolle. Praggnanandhaa gewann einen Bauern und erreichte ein vorteilhaftes Endspiel, während Carlsen nur noch rund zehn Minuten auf der Uhr hatte. Schliesslich verwertete der Inder seinen Vorteil sicher und fügte dem Weltranglistenersten die zweite Niederlage gegen denselben Gegner innerhalb weniger Tage zu.
Am Mittwoch, dem 3. Juni, steht beim Norway Chess ein Ruhetag auf dem Programm. In der neunten Runde trifft Carlsen mit den schwarzen Figuren auf Wesley So, bevor er in der Schlussrunde am Freitag mit Weiss gegen den amtierenden Weltmeister Dommaraju Gukesh antreten wird.