FIDE-PRÄSIDENNTEN - EINEN WEITEREN KANDIDATEN

Für das Amt des FIDE-Präsidenten gibt es einen weiteren Kandidaten. Und auch er hat eine russische Verbindung- Vadim Rosenshtein

Ende September 2026 werden bei der Generalversammlung des Internationalen Schachverbandes Wahlen für den Präsidenten stattfinden. Arkadij Dworkowitsch, der dieses Amt seit 2018 innehat, hat bereits seine Kandidatur für eine dritte Amtszeit angekündigt und die Unterstützung des Schachverbands Russlands gesichert. Alles schien wie eine vorhersehbare Kampagne ohne viel Ungewissheit. Doch in internationalen Schachkreisen begann man über einen zweiten Kandidaten zu sprechen – den deutschen Unternehmer Vadim Rosenshtein. Die Geschichte hat eine interessante Wendung: Beide Hauptkandidaten haben einen russischen Hintergrund. Der eine verbirgt dies nicht, während es für den anderen die Kampagne kosten könnte.

Wer ist Vadim Rosenshtein?

Rosenshtein, ein 34-jähriger deutscher Staatsbürger, geboren in der Ukraine, hat nach eigenen Angaben viel Zeit in Russland verbracht. Er ist Eigentümer der Firma WR Group aus Düsseldorf, die in den Bereichen Logistik, Zertifizierung, Engineering und Immobilien tätig ist. Im Jahr 2025 kaufte die Gruppe das australische Ingenieurbüro INCO und erwarb Anteile am aserbaidschanischen Logistikunternehmen RETEMS.

In der Schachwelt trat Rosenshtein im September 2022 auf, gerade als sich die FIDE unter dem Druck des Westens von den russischen Sponsoren „Aeroflot“ und den Russischen Eisenbahnen trennte. Er besetzte schnell die frei gewordene Lücke: Er organisierte Mannschafts-Weltmeisterschaften unter der Marke WR Chess, und sein Vereinsteam gewann zwei Weltmeistertitel. 2024 stieß Magnus Carlsen, die stärkste kommerzielle Figur im heutigen Schach, zum Team hinzu.

Rosenshtein versuchte auch, in Schachpolitik einzusteigen. Letztes Jahr kandidierte er für das Amt des Präsidenten des Deutschen Schachbundes, zog seine Kandidatur jedoch später zurück.

Er organisierte zudem mehrere Veranstaltungen in London und anderen Städten und kündigte eine ambitionierte Serie von Schach-Superturnieren an, die er dann überraschendagte, was Spieler und Medien überraschte. enter image description here

Wadim Rosenstein war nicht nur Ideengeber und Organisator der Veranstaltung, sondern gewann mit seinem Team WR Chess auch das Blitzturnier. | Foto: Lennart Ootes

Seit Frühjahr 2025 bereist er nationale Verbände, organisiert Turniere in Hongkong, Tokio und Bangkok und bietet seine Dienste öffentlich der FIDE an. Zuletzt tat er dies im März, als er vorschlug,den Kandidatenturnier auf eigene Kosten von Zypern nach Deutschland zu verlegen. FIDE lehnte dies ab, noch dieser Schritt wurde in der Schachpresse als Teil des Wahlkampfs interpretiert.

Rosenshtein engagierte sich auch bei der Organisation eines Matches zwischen den Nationalmannschaften der USA und Usbekistans, das am 27. und 28. Juli in Florida ausgetragen wird.

„Ich halte das für ein sehr wichtiges Ereignis, weil es zwei bedeutende Schach-Kulturen verbindet: die USA mit ihrer starken professionellen Schachszene und Usbekistan, das zu einer der beeindruckendsten neuen Kräfte im Weltschach geworden ist“, sagte Vadim im Interview mit ChessBase India.

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Russische Verbindungen

Die WR Group hat auch eine eigene russische Struktur. Die Dachgesellschaft ist die „VR RUS“ GmbH, die im November 2018 in Moskau registriert wurde. Die deutsche Firma WR Group Holding GmbH aus Düsseldorf hält 95,94 % der Anteile, während 4,06 % Vadim Rosenshtein persönlich gehören, der in den Dokumenten als endgültiger Eigentümer und deutscher Staatsbürger geführt wird.

Zur gleichen Gruppe gehören auch die russischen Firmen „VR Engineering“ und „VR Tech“ sowie drei deutsche Firmen – WR Certification, WR Logistics und WR Retail.

Laut dem Prüfungsbericht für 2024 betrug der Umsatz der Firma „VR RUS“ 660,9 Millionen Rubel (ca. 7,66 Millionen Euro), im Vergleich zu 113,1 Millionen Rubel (ca. 1,31 Millionen Euro) im Vorjahr, was einem Wachstum um das 5,8-fache entspricht. Die Gesamtaktiva der Firma beliefen sich Ende 2024 auf 1,91 Milliarden Rubel (ca. 22,14 Millionen Euro). Öffentliche Quellen nennen in Rosenshteins Familienumfeld auch Geschäftsleute aus dem Ural.

Die bekannteste Episode von Rosenshteins Engagement im russischen Schach ist ein Foto aus Mai 2022, das ihn beim Schachspiel mit Sergei Karjakin in Moskau zeigt. Das Foto entstand nach Beginn der Spezialoperation und nur wenige Wochen nach der Entscheidung der FIDE-Ethikkommission, Karjakin für sechs Monate zu suspendieren.

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