Die kasachische Nachrichtenplattform Kaztag.kz veröffentlichte ein Interview mit einer der talentiertesten und vielversprechendsten Schachspielerinnen der Welt, Bibisara Assaubajewa. Für die Leser von Schachinfo.ch veröffentlichen wir nachfolgend den Appell der 22-jährigen Weltmeisterin in voller Länge.
Die kasachische Schachspielerin Bibisara Assaubajewa hat sich in einer Videoansprache direkt an den Präsidenten Kasachstans, Kassym-Schomart Tokajew, gewandt.
„Sehr geehrter Kassym-Schomart Kemelewitsch, ich bin die internationale Grossmeisterin Bibisara Assaubajewa und belege derzeit den fünften Platz der Weltrangliste. Vor mir liegen nur vier chinesische Spielerinnen, während ich bereits alle anderen Schachspielerinnen der Welt hinter mir gelassen habe. Ich wende mich an Sie als Staatsoberhaupt mit der Bitte um Unterstützung. Vor Kurzem ging eines der stärksten Turniere der Welt, Norway Chess, zu Ende. Ich sicherte mir den Turniersieg bereits eine Runde vor Schluss. Die Vorbereitung auf dieses wichtige Turnier wurde ausschliesslich aus meinen eigenen Preisgeldern sowie aus Mitteln meiner Eltern finanziert. Meine Sekundanten und Analysten haben wir bis heute für ihre Arbeit und Unterstützung nicht bezahlen können“, erklärte Bibisara.

Die Grossmeisterin gab zu, dass sie seit Jahren mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen habe.
„Die Zusammenarbeit mit den Sportministern wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Die Prämie des Sportministeriums für einen Weltmeistertitel im Schach beträgt lediglich 2.000 US-Dollar, während für eine olympische Medaille 250.000 US-Dollar gezahlt werden. In Kasachstan gibt es ausser mir weder bei den Männern noch bei den Frauen einen Schachweltmeister im Erwachsenenbereich. Nach meinem zweiten Weltmeistertitel erhielt ich seit 2023 über das Sportministerium ein Gehalt von einer Million Tenge pro Monat (etwa 2.040 US-Dollar). Mit dem Amtsantritt von Minister Mirzabosinow im Jahr 2025 wurde mein Gehalt jedoch auf ein Drittel gekürzt. Über den Kasachischen Schachverband habe ich weder damals noch heute ein Gehalt erhalten.“
Assaubajewa erinnerte daran, dass sie kurz vor dem Jahreswechsel 2025/26 zum dritten Mal die Goldmedaille bei der Blitz-Weltmeisterschaft gewann.
„Dadurch qualifizierte ich mich für das wichtigste klassische Schachturnier der Frauen – das Kandidatinnenturnier um die Weltmeisterschaft. Dennoch wurde mein Gehalt im Sportministerium nicht erhöht“, erklärte die Kasachin.
Weiter berichtete sie von einem Treffen mit Sportminister Mirzabosinow im Januar. „Gemeinsam mit meinem Trainer erklärte ich ihm, dass die finanziellen Mittel des Verbandes nicht ausreichen, und wir baten ihn um Hilfe. Der Minister versprach uns Unterstützung über den Fonds ‚Sport Qory‘. Wir reichten einen Antrag ein, erhielten jedoch nur einen Teil der benötigten Mittel. Deshalb mussten meine Sekundanten aus der Ferne arbeiten. Ich war die einzige Spielerin bei diesen wichtigen Wettbewerben, die ihre Helfer nicht vor Ort einsetzen konnte. Trotzdem gelang es mir, den zweiten Platz zu belegen.“
Zum Abschluss richtete Assaubajewa einen eindringlichen Appell an den Präsidenten: „Vor mir liegen weitere wichtige Turniere, intensive Vorbereitung und viel Arbeit. Was soll ich tun, Herr Präsident?“