Abdusattorov: „Magnus hat das Gefühl für klassisches Schach verloren“
Die Schachwelt diskutiert weiterhin über das enttäuschende Abschneiden des Weltranglistenersten Magnus Carlsen beim heimischen Norway Chess 2026. Nun äusserte sich auch Nodirbek Abdusattorov zu den Gründen für Carlsens schwache Leistung.
Nodirbek Abdusattorov:
„Ich denke, einer der wichtigsten Eindrücke des Turniers war Magnus' schwaches Spiel. Natürlich stand er in einem unglaublich starken und sehr jungen Teilnehmerfeld unter einem gewissen Druck. Ausserdem fehlte ihm meiner Meinung nach die notwendige Wettkampfpraxis.
Ehrlich gesagt habe ich nicht verstanden, warum er praktisch in jeder Partie unbedingt auf Gewinn spielen und kompromisslos kämpfen wollte, obwohl das weder notwendig noch logisch war.
Ich respektiere sein Schach, seinen Kampfgeist und seinen Willen, in jeder Partie um den Sieg zu kämpfen. Aber selbst dieses Turnier hat gezeigt, dass man die Balance und die Objektivität bewahren muss. Meiner Meinung nach waren bestimmte Schwächen in Magnus' Spiel schon zuvor sichtbar. Norway Chess hat lediglich die Folgen deutlich gemacht. Deshalb hat mich dieses Ergebnis nicht überrascht.
Klassisches Schach ist heute extrem anspruchsvoll.
Klassisches Schach ist heute extrem anspruchsvoll. Um auf höchstem Niveau zu spielen, muss man maximal konzentriert sein und sehr hart arbeiten. Wenn die Praxis und das Gefühl für klassisches Schach fehlen, ist es sehr schwierig, wieder an die Spitze zurückzukehren.“
Verliert Magnus seine Sonderstellung?
Die Aussagen von Abdusattorov werfen eine spannende Frage auf: Befindet sich Magnus Carlsen tatsächlich an einem Wendepunkt seiner Karriere? Der Norweger konzentriert sich seit Jahren zunehmend auf Schnellschach, Blitz und Freestyle-Schach. Klassische Turniere spielt er deutlich seltener als früher. Kritiker sehen darin einen möglichen Grund für seine Schwierigkeiten gegen die neue Generation um Gukesh Dommaraju, Javokhir Sindarov, Arjun Erigaisi oder Abdusattorov selbst. Kann man dadurch sogar aus dem exklusiven Kreis der Spieler mit über 2800 Elo fallen? Oder noch schlimmer: die Position als Nummer eins der Welt verlieren?
Geht eine Ära zu Ende?
Noch ist es wohl zu früh, vom Ende der Carlsen-Ära zu sprechen. Zu oft hat der Norweger in seiner Karriere bewiesen, dass er nach Rückschlägen stärker zurückkommen kann. Dennoch zeigt Norway Chess 2026, dass die junge Generation immer näher rückt – und dass selbst für einen Ausnahmechampion wie Magnus Carlsen die Zeit nicht stehen bleibt. Die kommenden Monate könnten entscheidend sein: War Norway Chess 2026 nur ein Ausrutscher – oder das erste deutliche Signal eines Generationswechsels an der Spitze der Schachwelt?
Nodirbek Abdusattorov: „Ich werde alles tun, um Javokhir zu helfen“

Der usbekische Grossmeister Nodirbek Abdusattorov auch sprach über seine Unterstützung für Javokhir Sindarov im bevorstehenden Weltmeisterschaftskampf sowie darüber, welche Bedeutung ein usbekischer Weltmeister für sein Land hätte.
„Javokhir ist ohne jeden Zweifel einer meiner engsten Freunde. Natürlich werde ich ihn im WM-Match mit allem unterstützen, was in meiner Macht steht. Wir haben bereits darüber gesprochen und stehen in ständigem Kontakt. Ich denke, es wäre eine aussergewöhnlich grosse Leistung für unser Land, wenn ein usbekischer Spieler als Erster den Weltmeistertitel nach Usbekistan holen würde. Das wäre eine enorme Motivation – nicht nur für das Schach, sondern auch für viele andere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Wenn einer von uns der erste usbekische Spieler wird, der die klassische Schachweltmeisterschaft gewinnt und die Krone nach Usbekistan bringt, dann wird Usbekistan mit Sicherheit zur Schachnation Nummer eins der Welt werden!“
Mit diesen Worten unterstrich Abdusattorov die grosse Bedeutung des bevorstehenden WM-Kampfes zwischen Javokhir Sindarov und dem amtierenden Weltmeister Gukesh Dommaraju. Die Unterstützung innerhalb der starken usbekischen Schachgeneration scheint dabei ein wichtiger Faktor zu sein.