Praggnanandhaa R (2733) – Magnus Carlsen (2840) [B90] Sizilianische Verteidigung, Najdorf-Variante Norway Chess 2026, Oslo – Runde 3
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.h4

6...h6
Eine moderne und ambitionierte Behandlung der Najdorf-Variante. Schwarz verhindert die sofortige Entwicklung des weissen Läufers nach g5 und bereitet gleichzeitig eine flexible Königsstellung vor.
7.Lc4 e6 8.a3 Sc6 9.Le3 Ld7 10.La2 Le7 11.De2 h5 12.f3 Se5 13.0–0–0 Tc8 14.Lg5

14...Txc3! Ein typisches Qualitätsopfer im Stil der Sizilianischen Verteidigung. 15.bxc3 Da5 16.Kb1 Dxa3 17.f4 Neg4?! Besser waren: 17...Sc6 oder 17...Sg6 mit soliderem Spiel. 18.e5 dxe5 19.fxe5 Sh7 20.Dd2 Sf8 21.Sf3 Dc5 22.Lxe7 Dxe7 23.Sg5 Sg6 24.Se4 S6xe5 25.Sd6+ Kf8 26.Thf1 Sf6 27.Dd4 Sg4 28.Sxb7 Lb5 29.Dd8+ Se8 30.Dxe7+ Kxe7 31.c4 La4 32.Td8 Lc6 33.Tb8 Lxg2 34.Tg1 Lf3 35.Tg3 Se5 36.c5 g5 37.Sd6 g4 38.Sc8+ Kf6 39.Sd6 Sxd6 40.Txh8 Se4 41.Tg1 Sc3+ 42.Kb2 Se2 43.Tf1 g3 44.c6

44...Kg7??
Ein entscheidender Fehler.
Notwendig war: 44...g2!
mit ausgeglichener Stellung und guten Remischancen fuer Schwarz. Interessanterweise spielte Carlsen bereits in der ersten Runde gegen Firouzja einen aehnlichen Fehlzug mit Kg7?, der ebenfalls zur Niederlage fuehrte – damals im 33. Zug. Es scheint, als sei der Zug Kg7 fuer den Weltranglistenersten in Oslo gleich zweimal verhaengnisvoll geworden!
45.c7 Lb7 46.Tb8 g2 1–0
Kommentar
Magnus Carlsen zeigte erneut kreative Ideen in der Eröffnung und opferte bereits im 14. Zug die Qualitaet fuer aktives Figurenspiel. Lange Zeit hatte Schwarz ausreichende Kompensation.
Doch im Endspiel unterlief dem Norweger mit 44...Kg7? ein schwerer Fehler. Praggnanandhaa nutzte die Gelegenheit praezise aus und verwertete seinen Vorteil sicher.
Bemerkenswert ist, dass Carlsen innerhalb von nur fuenf Runden bereits zum zweiten Mal durch einen ungenauen Königszug Kg7? eine entscheidende Partie verlor.
Eine weitere spektakulaere Partie des jungen indischen Stars Praggnanandhaa und ein ungewöhnlicher Rückschlag für Magnus Carlsen, der in Oslo bislang ungewöhnlich viele Fehler in kritischen Momenten begeht.
Die Partie wird vor allem wegen der überraschenden Neuerung 4...h6! in Erinnerung bleiben. Ein Zug, der jahrzehntelang als zweifelhaft galt, wurde von Alireza Firouzja auf höchstem Niveau erfolgreich eingesetzt. Gleichzeitig zeigte die Partie, wie selbst Magnus Carlsen in extremer Zeitnot kritische Verteidigungsmöglichkeiten übersehen kann. Eine theoretisch hochinteressante Partie mit einer bemerkenswerten Eröffnungsidee und einem dramatischen Finale.

Kurze Partienanalyse direkt nach Spielende. Foto: Norway Chess / Michal Walusza