In der 4. Runde des Superturniers Norway Chess 2026 in Oslo plante Magnus Carlsen, seinen Gegner Gukesh Dommaraju bereits in der Eröffnung zu überraschen. Das gelang ihm so gut, dass er nach der Partie scherzhaft erklärte, er habe dabei sogar sich selbst überrascht !
Foto: Michal Walusza / Norway Chess.
Hier die Aussage des Weltranglistenersten unmittelbar nach seinem Sieg in der vierten Runde gegen den amtierenden Weltmeister Gukesh:
„Mein Trainer Peter Nielsen sagt normalerweise zu mir: Wenn es mir gelingt, ihn zu überraschen, dann werde ich wahrscheinlich auch meinen Gegner überraschen. Diesmal habe ich jedoch nicht nur meinen Gegner, sondern auch mich selbst überrascht! Ich würde nicht sagen, dass ich in der Partie völlig verloren stand, aber ich war dem Verlust ziemlich nahe. Gegen einen anderen Gegner hätte Gukesh wahrscheinlich vorsichtiger gespielt. Ich weiss jedoch, dass das nicht sein Stil ist – er möchte immer nach vorne spielen. Diese Provokation meinerseits war offensichtlich erfolgreich. Sie funktionierte genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte: meinen Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen und am Ende eine so wichtige Partie zu gewinnen.“
Eine Bestätigung dieser Aussage lieferte Grossmeister Peter Heine Nielsen, langjähriger Trainer von Magnus Carlsen, in einem Interview für die Juni-Ausgabe 2026 des Schachmagazins Europe Échecs. Wie diese Strategie in die Vorbereitung eingebunden wird, erklärte er folgendermassen:
„Im Weltmeisterschaftskampf gegen Anand haben wir die Eröffnungen als offensive Waffe eingesetzt. Mit Magnus sind sie eher eine defensive Waffe. Das Ziel besteht darin, dass beide Spieler ihre Vorbereitung verlassen und aus ihrer Komfortzone herauskommen. Das ist für uns positiv, denn wir sind überzeugt, dass Carlsens grösste Stärke im direkten Kampf Spieler gegen Spieler liegt. Es ist wichtiger, den Gegner aus seiner Komfortzone zu bringen, als Magnus in seiner eigenen zu belassen.“
Peter Heine Nielsen kennt Magnus Carlsen seit vielen Jahren. Auf diesem Foto spielen die beiden im Jahr 2004 gegeneinander. Später wurde der Däne zu Carlsens Trainer. Foto: Liselotte Sabroe / NTB.