In einem Interview mit der Zeitung Komsomolskaja Prawda erklärte Anatoli Karpow offen, warum Russland heute nicht mehr die dominante Kraft im Weltschach ist.
Nach seiner Meinung ist der Grund eindeutig: Das System, das über Jahrzehnte Spitzenspieler hervorbrachte – durch organisierte Arbeit, hervorragende Trainer und starke institutionelle Unterstützung – existiert nicht mehr. Und bis heute wurde es durch nichts ersetzt.
Karpow kritisierte auch den Staat und betonte, dass es weder ein ernsthaftes Entwicklungsprogramm noch ausreichende Initiativen seitens des Sportministeriums gebe. Seiner Ansicht nach wäre eine Rückkehr zu früheren Erfolgen durchaus möglich – allerdings nur, wenn ein echter politischer Wille vorhanden wäre.
Die Ergebnisse seien heute deutlich sichtbar: Russische Schachspieler sind kaum noch in den Top 10 der Weltrangliste vertreten – etwas, das früher nahezu unvorstellbar gewesen wäre. Laut Karpow ist dieser Rückgang kein Zufall, sondern die direkte Folge des Verlusts eines funktionierenden Systems, während andere Länder weiterhin investieren und Fortschritte erzielen.
Sicherlich würde – nach den Aussagen und Empfehlungen Anatoli Karpows – eine systematische Förderung des Schachs sowie ein langfristiges Entwicklungsprogramm die Chancen russischer Grossmeister auf der Weltbühne erhöhen.
Dennoch darf man nicht vergessen: Die ehemalige Sowjetunion verfügte über legendäre Weltmeister und Schachikonen aus verschiedenen Nationen. Dazu gehörten beispielsweise Mikhail Tal aus Riga oder Tigran Petrosian aus Armenien. Die eigentlichen russischen Weltmeister waren Namen wie Mikhail Botvinnik, Vasily Smyslov und Boris Spassky.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden überraschenderweise Nationalmannschaften wie Armenia und Uzbekistan Olympiasieger im Schach.
Das zeigt deutlich: Selbst im Mannschaftsschach konnte Russland die Ergebnisse der ehemaligen UdSSR bis heute nicht wiederholen.