Javohir Sindarov: „Ich werde versuchen, das WM-Match zu gewinnen!“

Nach seinem Sieg beim FIDE-Kandidatenturnier 2026 gab Javohir Sindarov ein ausführliches Interview mit Charlize van Zyl, in dem er über seine Ambitionen und langfristigen Ziele sprach. Der usbekische Grossmeister blickte auf seinen Weg zum Turniersieg zurück, sprach über seine Vorbereitung und verriet wichtige Details über die Zusammenarbeit mit seinem Trainer. Wir präsentieren Ihnen das Interview in voller Länge.
Wer ist WIM Charlize van Zyl?
Sie wurde am 19. September 1999 geboren und ist eine südafrikanische Schachspielerin (WIM), Content Creatorin sowie offizielle FIDE-Reporterin. Bereits im Alter von 13 Jahren wurde sie die jüngste Südafrikanerin mit dem WIM-Titel und vertrat ihr Land bei mehreren Schacholympiaden.
Interview
Charlize van Zyl: Ich bin hier mit Javohir Sindarov, dem Sieger des FIDE-Kandidatenturniers 2026. Sie hatten etwas Zeit, die Eindrücke zu verarbeiten. Noch einmal herzlichen Glückwunsch. Nehmen Sie uns mit zurück zur Nacht nach der 13. Runde – was ist passiert? Mit wem haben Sie zuerst gesprochen? Wie sah die Feier aus?

Javohir Sindarov: Es war ein fantastischer Tag für mich und für unser Land. Nach dem Ergebnis begannen alle zu feiern. Ich erhielt Millionen von Nachrichten von Freunden, meinen Eltern und meiner Familie sowie von unserem Verband und der Regierung. Es ist ein riesiger Erfolg für unser Land, und alle waren sehr glücklich. Am nächsten Tag rief mich sogar der Präsident an, um mir zu gratulieren – das hat mich wirklich überrascht. Ich bin sehr glücklich, dieses Turnier gewonnen zu haben.
Charlize van Zyl: Ist das etwas, woran man sich gewöhnt – Glückwünsche vom Präsidenten?
Javohir Sindarov: Nein, natürlich nicht. Man muss große Erfolge erzielen, um so einen Anruf zu bekommen. Ich bin sehr glücklich. Ich habe bereits den Weltcup gewonnen und jetzt auch das Kandidatenturnier. Ich hoffe, dass ich bis Ende des Jahres versuchen kann, das Match um die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Das gibt mir sehr viel Motivation.
„Ich hoffe, dass ich bis Ende des Jahres versuchen kann, das Match um die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Das gibt mir sehr viel Motivation.“
Charlize van Zyl: Lassen Sie uns über das Turnier sprechen. Sie sagten auf einer Pressekonferenz, dass Ihr Trainer auf ein Ergebnis von +1 zur Halbzeit gehofft hatte – Sie haben aber +6 (10/14) erreicht, was unglaublich ist. Haben Sie jemals daran gezweifelt, dass das möglich ist? Was war Ihr Ziel zur Halbzeit?

Javohir Sindarov: Mein Trainer sagte mir, dass ich gute Chancen hätte, das Turnier zu gewinnen, wenn ich die erste Hälfte mit +1 abschließe. Aber ich habe sie mit +5 beendet. Gleichzeitig wusste ich, dass die zweite Hälfte viel schwieriger wird, besonders wegen wichtiger Partien mit Schwarz. Diese Partien kosten viel Energie und erfordern eine sehr gute Vorbereitung. Wahrscheinlich war mein Remis gegen Fabiano Caruana der Schlüsselmoment. Danach begann ich zu glauben, dass ich das Turnier gewinnen kann.
- Ich hatte auch etwas Glück. Caruana war mir ständig sehr nahe.
- Er gewann einige Partien in der ersten Hälfte, verlor aber mehrere in der zweiten.
- Nach meinem Sieg gegen R Praggnanandhaa hatte ich zwei Punkte Vorsprung auf Giri.
Ich bin sehr glücklich, dass ich mit Schwarz sehr gut gespielt und keine einzige Partie verloren habe. Es war eine großartige Serie, und ich bin sehr zufrieden mit meinen Leistungen.
Charlize van Zyl: Viele Spieler sagen, sie denken von Partie zu Partie, aber bei Ihnen wirkte es so, als hätten Sie die Tabelle genau im Blick gehabt. Hat das zusätzlichen Druck erzeugt?
Javohir Sindarov: Nicht wirklich. Ich versuche immer, mich sehr gut vorzubereiten. Mit Weiß bin ich bereit zu kämpfen, aber in der zweiten Hälfte – nach dem Remis gegen Caruana – habe ich beschlossen, auch solide Varianten zu wählen, die zu einem Remis führen können. Ich wollte Energie für die entscheidenden Spiele mit Schwarz sparen. Ich denke, diese Strategie hat perfekt funktioniert.
Charlize van Zyl: War die Partie gegen Giri Ihre Lieblingspartie? Auf welchen Sieg sind Sie am meisten stolz?
Javohir Sindarov: Ich habe meine Partie gegen Caruana mit Weiss wirklich geliebt. Es war eine sehr saubere Partie – ich habe die besten Züge und die richtige Taktik gefunden und meine Zeit gut eingeteilt. Eine fantastische Partie, in der ich ein weiteres Niveau gezeigt habe, das ich erreichen kann.
Charlize van Zyl: In unseren Interviews vor dem Turnier waren Sie sehr selbstbewusst, aber letzte Woche sagten Sie, es sei die schwierigste Ihres Lebens gewesen – wegen Schlaf, Ernährung und Druck. Wie haben Sie das durchgestanden?

Javohir Sindarov: Es ist immer schwierig, wenn man ein Turnier anführt. Die letzte Woche war für mich sehr schwer, aber nach dem Remis gegen Fabiano Caruana fühlte ich mich deutlich besser. Diese Partie war sehr lang und hat viel Energie gekostet. Nachdem ich mich daraus befreien konnte, hatte ich das Gefühl, dass ich das Turnier gewinnen würde.
Charlize van Zyl: Lassen Sie uns über Ihre Vorbereitung sprechen. Das war eines der Hauptthemen. Es schien, als hätten Sie Ihre Gegner in der Vorbereitung übertroffen. Wie funktioniert Ihr Team?
Javohir Sindarov: Vor dem Turnier haben wir sehr hart gearbeitet. Der Schlüssel lag in der Vorbereitung vor dem Turnier. Außerdem hatten wir etwas Glück gegen Fabiano und Hikaru Nakamura, da wir ihre Eröffnungsentscheidungen genau vorhergesehen haben.
Charlize van Zyl: Am Ende des Jahres werden Sie gegen Gukesh spielen. Wann beginnt die Vorbereitung auf dieses Match?
Javohir Sindarov: Ehrlich gesagt weiß ich es noch nicht genau. Meine Vorbereitung beginnt wahrscheinlich nächste Woche. Im Moment konzentriere ich mich jedoch auf starke Turniere wie die Grand Chess Tour und die Olympiade.
Charlize van Zyl: Sie haben Ihren Trainer Roman Vidonyak erwähnt. Er sagte, dass Sie klassisch, ohne Computer, am Brett trainieren. Wie hat sich Ihr Training mit ihm verändert?
Javohir Sindarov: Früher habe ich auch viel gearbeitet, aber es war manchmal langweilig. Mit Roman ist das Training immer interessant. Wir können acht Stunden arbeiten, ohne es zu merken. Oft trainieren wir in Gruppen, was alles unterhaltsam und wettbewerbsorientiert macht.

Charlize van Zyl: Sie sagten auch, dass Ihre Altersgenossen bessere Ergebnisse erzielten. Was hat sich verändert?
Javohir Sindarov: Die Quarantäne hat mein Leben verändert. Danach habe ich viel mehr gearbeitet. Ich hatte einen großen Sieg beim Weltcup gegen Alireza Firouzja, und das hat mir enorme Motivation gegeben. Das war der entscheidende Moment: Ich habe erkannt, dass ich auf höchstem Niveau mithalten kann.
„Mein Ziel ist es, gutes Schach zu spielen und Partien zu gewinnen – das treibt mich an. Ich habe immer den Wunsch zu gewinnen, egal was ich spiele.“
Charlize van Zyl: Ihr Trainer hat als langfristiges Ziel genannt, dass Sie die Nummer eins der Welt werden. Können Sie dazu etwas sagen?
Javohir Sindarov: Ja, ich glaube, dass das möglich ist. Die junge Generation ist sehr stark, und wir haben alle Möglichkeiten. Mein nächster Schritt ist es, zu versuchen, Weltmeister zu werden. In einigen Jahren ist mein Ziel, der beste Spieler der Welt zu sein.
Charlize van Zyl: Es wird bereits darüber gesprochen, dass Ihr mögliches WM-Match eines der jüngsten der Geschichte sein könnte. Bedeutet Ihnen diese historische Dimension etwas?
Javohir Sindarov: Nicht wirklich. Das überrascht mich nicht. Nach der vorherigen Ära ist es normal, dass die junge Generation übernimmt. Nach Magnus Carlsen setzt sich die junge Generation schnell durch.
Charlize van Zyl: Sie haben erwähnt, dass Sie das Match gerne an einem sonnigen Ort wie Zypern spielen würden. Wie haben Sie es hier erlebt?
Javohir Sindarov: Alles war fantastisch. Der Ort ist wunderschön, das Wetter war großartig. Das Hotel und die Bedingungen waren ausgezeichnet. Wir hatten Zeit, Tennis zu spielen, Videospiele zu spielen und uns zu entspannen. Ich habe es wirklich genossen.
Fotos: FIDE - Michal Walusza, Yoav Nis und Niki Riga