Kandidatenturnier Zypern – 9. RUNDE ANALYSE – KANDIDATENTURNIER: Bluebaum–Sindarov, Runde 9
In einer Schachwelt, die noch immer von Spielern wie Magnus Carlsen dominiert wird, steht Sindarov für etwas Frisches – mutig, scharf und voller Potenzial. Seine Partien sind spannend anzusehen, während andere Spitzengroßmeister oft eher konservativ spielen, um Fehler zu vermeiden.
Er begann, am Damenflügel stetigen Druck aufzubauen, wo der weisse König rochiert hatte, während es Bluebaum schwerfiel, Gegenspiel zu entwickeln. Gerade als die Kommentatoren Sindarovs nahezu fehlerfreie Behandlung der Stellung lobten, unterlief dem jungen Spieler ein Fehler mit 24…Lxa4? Dieses Schlagen erlaubte 25.Dxb6 und führte zum Damentausch in ein leicht schlechteres Endspiel für Weiß, allerdings mit guten Remischancen. Um diese Vereinfachung zu vermeiden, hätte Schwarz 24...Db7! spielen müssen, mit ausgezeichneten Gewinnchancen im weiteren Verlauf. Die Partie dauerte bis zum 60. Zug, wobei Bluebaum sich in der technischen Phase präzise verteidigte und das Remis sicherte.
WER IST SINDAROV?

In der modernen Schachära – geprägt von Engines und tiefer Vorbereitung – zieht ein junger Name zunehmend weltweite Aufmerksamkeit auf sich: Javokhir Sindarov. Geboren im Jahr 2005, wurde er bereits in sehr jungen Jahren Grossmeister. Doch was ihn wirklich auszeichnet, sind nicht nur seine Erfolge, sondern seine Herangehensweise an das Spiel. Viele junge Spieler verlassen sich heute stark auf Engine-Vorbereitung. Sindarov hingegen bringt etwas anderes mit: Er spielt mutig, geht bewusst in komplexe und zweischneidige Stellungen und scheut kein Risiko. Sein Stil wirkt lebendig – weniger auf Perfektion ausgerichtet, sondern vielmehr auf praktischen Druck und echte Stärke am Brett.
Am meisten beeindruckt seine Ruhe. Gegen die Weltelite zu spielen ist nie einfach, doch Sindarov zeigt konstant Konzentration und Widerstandskraft. Das ist nicht nur Talent – das ist die Mentalität eines echten Wettkämpfers, die auf höchstem Niveau unerlässlich ist. Neben seinen individuellen Erfolgen ist er auch Teil der aufstrebenden usbekischen Schachgeneration. Gemeinsam mit seinen Landsleuten repräsentiert er eine neue Welle von Spielern aus einer starken und wachsenden Schachkultur. Doch die eigentliche Frage ist nicht mehr, wer er heute ist … sondern, wer er gerade dabei ist zu werden.
ANALYSEN IM SCHWARZ-WEISSEN SPIEGEL
Nakamura (2810) – Sindarov (2745) Halbslawische Verteidigung – Marshall-Gambit 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 c6 4.e4 dxe4 5.Sxe4 Lb4+ 6.Ld2 Dxd4 7.Lxb4 Dxe4+ 8.Le2 Sa6 9.Ld6 Dxg2 10.Lf3 Dg5 11.Se2 Se7 12.Sg3 0–0 !?
In diesem Moment dachte Nakamura ganze 67 Minuten nach und wählte die falsche Fortsetzung! Weiss hat zwei Bauern für Initiative geopfert und muss präzise weiterspielen, um das dynamische Gleichgewicht der Stellung zu bewahren.
13.h4?
Besser war 13.Se4 Da5+ 14.b4! Dd8! 15.Tg1 mit ausgeglichenen Chancen. Nach der Partie äußerte Nakamura eine aus Sicht vieler Kommentatoren unprofessionelle Bemerkung. Er beschuldigte sein Vorbereitungsteam:
„Mein Team hat in der Vorbereitung die Rochade von Schwarz im 12. Zug übersehen, deshalb musste ich 67 Minuten nachdenken!“
Da5+ 14.b4 Sxb4 15.0–0 Te8 16.Dd2 c5 17.Tad1 Sf5 18.Sxf5 exf5 19.Df4 Sc6 20.Kh1 Sd4 21.Tg1 g6 22.Ld5 Le6 23.Lxb7 Se2 24.Dd2 Dxd2 25.Txd2 Sxg1 26.Lxa8 Txa8 27.Kxg1 Td8 28.Lf4 Txd2 29.Lxd2 Lxc4 30.Le3 Lxa2 31.Lxc5 a5 32.f4 f6 33.Kf2 Kf7 34.La3 Ke6 35.Lf8 a4 36.Ke3 Kf7 37.Lb4 h6 38.Kf2 g5 39.Kg3 Ld5 40.La3 Le4 41.Lc1 gxh4+